WIR STÄRKEN ELEMENTARE WERTE – UNSERER BILDUNGSZIELE 2/3

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Warum sind unsere Werte so wichtig?

Unsere Trainings finden draussen statt. Bei Regen, bei Kälte, wenn es nass und rutschig ist und man viele Gründe finden könnte, nicht rauszugehen. Niemand zwingt jemanden dazubleiben. Trotzdem kommen unsere Schüler immer wieder, probieren weiter, scheitern zusammen an derselben Mauer und helfen sich gegenseitig wieder hoch.

Was genau hält die Gemeinschaft in solchen Momenten zusammen?

Genau darum geht es beim zweiten unserer drei Bildungsziele: Wir stärken elementare Werte.

Gemeinsame Werte sind der Kern einer stabilen, resilienten und vertrauensvollen Gemeinschaft. Sie geben uns keinen Paragraphenkatalog, sondern einen Rahmen: eine Struktur, an der sich alles andere ausrichtet. Unsere Werte beschreiben, wie wir uns verhalten wollen. Sie machen klar, wofür wir stehen, wie wir miteinander umgehen und wie wir dadurch gemeinsam wachsen können.

Wir benennen sie bewusst konkret an unserer Hand, unseren Fingern.
Daumen: unterstützend.
Zeigefinger: zielstrebig.
Mittelfinger: respektvoll.
Ringfinger: vertrauensvoll.
Kleiner Finger: bescheiden.
Die Faust, wenn alle Finger zusammenkommen: mutig.
Und wenn beide Hände sich falten: dankbar.

Sieben Werte, verbunden mit etwas Sichtbaren – und immer griffbereit, im Training genauso wie im Alltag.

Woher unsere Haltung kommt

Unsere Werte sind dort entstanden, wo Parkour selbst entstanden ist:
In Lisses, in den gemeinsamen Trainings mit den Yamakasi, mit David Belle, mit Sébastien Foucan.
In unzähligen weiteren gemeinsamen Trainings innerhalb unserer eigenen Gemeinschaften.
In den Gesprächen nach einem intensiven Training.
In den geteilten Erlebnissen und Erfahrungen.

Sie orientieren sich an den Geschichten und Leitsprüchen, die Parkour von Anfang an geprägt haben: «être fort pour être utile» – stark sein, um nützlich zu sein. Und «être et durer» – sein und fortbestehen. Beide Sätze erinnern uns daran, dass Stärke nie Selbstzweck ist, dass Parkour mehr ist als Bewegung, dass das Training weit über die Zeit auf der Straße hinaus wirkt.

Gelebt, oder auswendig gelernt?

Unsere Werte entstehen nicht durch Worte, sondern durch Erlebnisse, Herausforderungen, Kooperation und das gemeinsame Wachsen an Hindernissen. Wenn Menschen zusammen Herausforderungen meistern, verändert das, wie sie miteinander umgehen, wie sie sich selbst wahrnehmen und wie sie Verantwortung füreinander übernehmen.

Es geht uns nie darum, die Werte im Training mantraartig auswendig zu lernen. Stattdessen zeigen sie sich in unseren Trainingsregeln, in der Achtsamkeit, mit der unsere Schüler:innen im Training miteinander umgehen, in der helfenden Hand, die ungefragt angeboten wird. Sie sind gelebte Werte, keine Phrasen auf Papier.

Mit uns gewachsen

Unsere Werte sind lebendig und entwickeln sich mit unserer Gemeinschaft weiter. Was wir tagtäglich sagen, wirkt sich direkt darauf aus, wie wir handeln und denken. Gerade deshalb werden auch die Werte immer wieder hinterfragt. Wir setzen uns aktiv mit ihnen auseinander, was sie für uns, für unser Training bedeuten. Mitunter erkennen wir dann, dass ein Begriff nicht ganz den Inhalt trifft, den wir eigentlich meinen, den wir als Gemeinschaft weitergeben wollen.

Früher haben wir zum Beispiel den Zeigefinger als «Vorsicht» vermittelt. Aus Vorsicht kann jedoch schnell übervorsichtiges Verhalten werden, das eher blockiert als schützt. Sinnvoller ist es, Herausforderungen zielstrebig und aufmerksam anzugehen – Vorsicht als Wachsamkeit verstanden, nicht als Bremse.

Ebenso haben wir die Dankbarkeit als eigenen Wert ergänzt. Auch vorher war sie da, in anderen Begriffen enthalten und eher unterschwellig. Doch für uns wurde klar, dass sie für unsere Gemeinschaft einen höheren Stellenwert bekommen darf und sollte. Unsere Gemeinschaft entwickelt sich ständig weiter, entsprechend tun dies natürlich auch unsere Werte.

Was die einzelnen Werte für uns genau bedeuten werden wir euch in weiteren Artikeln zeigen.

ONE for all – All for ONE

Text von Jonas Jung
Bilder von Daniel „Stavro“ Girizd, Mike Thümmler & Pierre Biege

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