Magazin: Fotografieprojekt „Freiheit“

Mauern werden errichtet um Grenzen zu setzen – Traceure überwinden sie. Das ist Freiheit.

Mein Name ist Léa Brand, ich bin 24 Jahre alt und komme aus Bern. Vor bald sechs Jahren habe ich im geleiteten Training in Bern mit Parkour angefangen. Von Beginn weg hat mich die Ganzheitlichkeit dieser Bewegungskunst und Lebensphilosophie fasziniert. Durch die Ausbildung zum TRuST COACH und HEADCOACH erhielt ich die Möglichkeit, meine Leidenschaft weiterzugeben und dabei einer sehr erfüllenden und motivierenden Tätigkeit nachzugehen. Als Teil von ParkourONE möchte ich Parkour in seiner ursprünglichen Form erhalten, weiterbringen und vermitteln.

Im Sommer 2012 habe ich meine Berufslehre als Schreinerin inklusive Berufsmaturität abgeschlossen. Im Rahmen meiner Berufsmaturität mit gestalterischer Ausrichtung an der GIBB (Gewerblich Industrielle Berufschule Bern) ist dieses Fotografieprojekt entstanden.
Die Aufgabe war, zum Thema Freiheit eine Gestaltungsarbeit zu realisieren. Dieses Thema empfand ich als meine Chance, endlich ein Projekt im Bezug auf meine Leidenschaft Parkour zu verwirklichen. Das Ziel der Arbeit war, das Wort „Freiheit“ im Bezug auf Parkour fotografisch darzustellen.
Für die Umsetzung habe ich einen beliebten Trainingsspot beim Mittelwegschulhaus in Münsingen, Schweiz ausgesucht. Jede Person ist einzeln fotografiert worden. Mit einem Bildbearbeitungsprogramm habe ich dann die Einzelfotos zu einem Bild zusammengesetzt.
Iljana, Marlène, Ramon und Rino haben mich mit ihrem Engagement als Statisten für die Fotos tatkräftig unterstützt. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals für ihre Hilfe bedanken.

Freiheit bedeutet für mich Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und Flexibilität.
Meinen eigenen Körper – mehr brauche ich nicht um Parkour auszuüben. Wenn ich will oder muss, kann ich Parkour in jedem Moment anwenden – egal was ich gerade für Kleider trage oder wo ich bin. Ich fühle mich flexibel und unabhängig, da mein Training nicht an einen bestimmten Ort wie an eine Turnhalle oder einen Sportplatz gebunden ist. Wo immer meine Augen und meine Kreativität mich Aufgaben und Hindernisse sehen lassen, kann ich Parkour trainieren. Meine Wahrnehmung hat sich verändert, seit Parkour Teil meines Lebens ist. Mauern sind keine Grenze mehr, sondern überwindbare Hindernisse. Ich fühle mich unabhängig von gesellschaftlichen Normen, die Vorgeben, welche Gebilde und Gegenstände welchem Zweck dienen sollten. Dies führt dazu, dass ich mir die Freiheit nehme an öffentlichen Objekten zu trainieren oder als erwachsene Person wieder wie ein Kind auf Spielplätzen zu spielen.
Der einzigen Person, der ich beim Trainieren Rechenschaft schuldig bin, bin ich selbst. Somit prägt Selbstbestimmung mein Training. Ich gebe meine 100 Prozent Leistung, die ich in diesem Moment abrufen kann. Habe ich einen schlechten Tag, leidet nicht ein ganzes Team darunter. Im Gegenteil, ich kann mich trotzdem an meinen kleinsten Erfolgen freuen. Für mich gibt es mit Parkour kein Rückwärts, nur Vorwärts, keine Niederlage, nur Erfolg. Denn Gegner habe ich keine, ich messe mich nur mit mir selbst.
DIE richtige Bewegung um ein Hindernis zu überwinden gibt es im Parkour nicht. Jeder Traceur bestimmt selbst, welche Technik sich am besten eignet, denn Effizienz hängt von den individuellen Gegebenheiten jedes Menschen ab.