Es gibt immer einen Weg – Das ParkourONE Jahresmotto 2026

Es gibt Momente, in denen wir vor etwas stehen, das sich unüberwindbar anfühlt. Eine Mauer, die zu hoch erscheint. Eine Situation, die keinen Ausweg zu kennen scheint. Ein Ziel, das sich in weite Ferne verabschiedet hat. Und dann – genau in diesem Moment – kommt die Frage: Gehe ich weiter oder mache ich kehrt?

Unser Jahresmotto 2026 ist unsere Antwort darauf: Es gibt immer einen Weg.

Nicht als Versprechen, dass alles leicht wird. Sondern als Haltung, die wir gemeinsam in diesem Jahr trainieren wollen – in der Bewegung, im Denken, im Alltag.

Nicht das Hindernis bestimmt den Weg. Wir tun es.

«Es gibt immer einen Weg» ist zunächst eine Entscheidung. Die Entscheidung, nicht beim Hindernis stehen zu bleiben – sondern zu fragen, was dahinter möglich ist. Ein Hindernis fordert uns heraus, klarer zu sehen: Was ist möglich? Was ist notwendig? Was ist der nächste Schritt? Ein Hindernis ist damit keine Sackgasse – es ist eine Aufgabe. Und Aufgaben haben Lösungen.

Wir glauben nicht an Ausreden. Wir glauben an Orientierung.

Das klingt einfach – und ist doch eine Haltung, die täglich neu gewählt werden muss. Denn es ist menschlich, zuerst nach dem zu schauen, was fehlt. Was nicht geht. Was uns bremst. Diese Stimme kennen wir alle. Und sie ist nicht böse – sie ist nur leer. Sie zeigt keine Richtung. Sie erklärt, warum etwas nicht geht, aber sie bringt uns keinen einzigen Schritt weiter.

Kraftvoll werden wir, wenn wir die Frage umdrehen: Nicht «Warum geht das nicht?» – sondern «Wie komme ich da hin?»

Mut entsteht im Prozess

«Es gibt immer einen Weg» verlangt mehr als guten Willen. Es verlangt, sich selbst zu kennen.

Wer bin ich in Bewegung? Was traue ich mir zu? Wo halte ich mich selbst zurück – und warum? Das sind keine grossen philosophischen Fragen. Das sind die Fragen, die entstehen, wenn wir ehrlich vor einem Hindernis stehen und merken, dass die eigentliche Grenze nicht aus Beton ist.

Ein Traceur zu sein bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Es bedeutet, trotz Angst weiterzugehen. Mut und Selbstvertrauen sind keine Eigenschaften, die man entweder hat oder nicht hat. Sie entstehen im Prozess – Schritt für Schritt, Sprung für Sprung, Versuch für Versuch. Die Fähigkeit zur Reflexion – sich seines eigenen Weges bewusst zu werden – ist dabei ein echtes Handwerk.

Und dann ist da noch etwas, das wir im Training oft unterschätzen: unsere Vorstellungskraft. Bevor wir einen Weg gehen, gehen wir ihn im Kopf. Wir erspüren ihn, bevor wir ihn beschreiten. Dieses sensorische Vorstellen – das Fühlen einer Bewegung, bevor der Körper sie ausführt – ist kein Träumen. Es ist ein echtes Werkzeug das wir bewusst einsetzten wollen.

Denn Parkour fragt uns nicht zuerst, ob wir eine Technik perfekt beherrschen. Es fragt, ob wir uns trauen, intuitiv zu bewegen – dem Körper zu vertrauen, der Situation zu vertrauen, dem Moment zu vertrauen. Echte Bewegungsfreiheit entsteht nicht dort, wo wir alles kontrollieren. Sie entsteht dort, wo wir anfangen zu fliessen.

Die Wand hat sich nicht verändert. Wir haben es.

Manchmal braucht es keinen Vortrag über Resilienz. Es braucht einen Moment, in dem man vor einer Mauer steht, die man nicht gleich überwinden kann – und trotzdem nicht geht.

Im Training erleben unsere Schüler:innen das wöchentlich. Sie stehen vor Challenges, die sich unmöglich anfühlen. Sie beobachten, wie andere einen Weg finden. Sie probieren selbst – und scheitern. Sie probieren nochmals – und kommen ein Stück weiter. Und irgendwann, an einem Dienstagabend oder einem Samstagmorgen, überqueren sie eine Linie, die sie sich selbst gezogen hatten.

Eine Wand, über die wir gestern noch nicht kamen, die wir heute mit einem anderen Ansatz, einem anderen Körpergefühl, einem anderen Gedanken meistern. Die Wand hat sich nicht verändert. Wir haben es.

Das ist Parkour als Lebensschule. Lösungen werden zur Routine – nicht weil die Hindernisse kleiner werden, sondern weil wir grösser werden. Weil wir gelernt haben, nicht beim ersten «Geht nicht» stehen zu bleiben, sondern zu fragen: Welcher andere Weg führt mich dorthin?

Wer sucht, findet nicht immer sofort. Aber wer dranbleibt – der findet.

Gemeinsam sind wir stärker

In diesem ParkourONE-Schuljahr wollen wir uns als Gemeinschaft verstärkt mit Problemlösungen beschäftigen – nicht theoretisch, sondern erfahrbar. Im Training, im Gespräch, in den Momenten, in denen jemand nicht weiterkommt und eine Hand ausgestreckt wird.

Das Schöne an einer Gemeinschaft wie der unseren ist, dass jede Person eine andere Perspektive einbringt. Jemand sieht eine Möglichkeit, die du noch nicht gesehen hast. Jemand kennt die Bedenken, die du gerade fühlst – und ist bereits auf der anderen Seite. Und manchmal reicht genau dieser eine Blick, dieses eine Wort, dieses eine Vorbild, um den eigenen nächsten Schritt zu sehen.

Wir wünschen allen unseren Schüler:innen viele neue Gedanken, Geschichten und gemeinsame Erlebnisse in diesem Jahr.

Es gibt immer einen Weg. Lasst uns ihn gemeinsam gehen.

ONE for all & all for ONE.

Euer ParkourONE Team

Text von Jonas Jung
Bilder von Pierre Biege

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