ParkourONE Adventskalender 2014 (deutsch & english)

ALLE 24. GESCHICHTEN ZUM NACHLESEN

Nun schon zum dritten Mal wurde von der Projektgruppe „Adventskalender“ ein solcher ins Leben gerufen, um der Community die Adventszeit in einer besonderen Art zu bereichern. Dieses Jahr öffneten sich ab dem 01. Dezember bis zum Heiligen Abend je ein Türchen mit einer Geschichte, die das Parkour-Leben unserer Traceure schrieb. Sei gespannt auf spannende, lustige, rührende und inspirierende Anekdoten und Geschichten.

Wie sieht dein Training im Winter aus? Was ist dein lustigstes Parkourerlebnis oder was verbindest du mit ParkourONE? Diese und noch 21 weitere Türchen wird es im ParkourONE Adventskalender zu entdecken geben. Aber uns interessierten auch die Geschichten aus der Community und so wurden sie dazu eingeladen, auch ihre Geschichten zu teilen – und mit etwas Glück einen tollen Preis zu gewinnen.

Adventskalender-Team, ParkourONE

Redaktion: Maria Prinz, Silvana Werren
Publikation: Silvana Werren
Geschichten: ParkourONE Traceure
Übersetzung: Michael Nischt, Nathalie Stettler, Mike Thümmler
Design: Pierre Biege
Konzept: Michael Nischt, Maria Prinz, Silvana Werren

Wer nun die Geschichten verpasst hat, kann diese hier nachlesen:

1

box] Wo trainierst du warum am liebsten? [/box]

„Einen Lieblingsspot – ich glaube den habe ich nicht. Wo ich gerne trainiere hängt stark von meiner aktuellen Stimmung ab. An manchen Tagen mag ich abwechslungsreiche Spots, an welchen es offensichtlich ist was ich wo trainieren kann. An anderen Tagen wiederum reicht mir eine Stange oder eine Mauer in der Höhe, wo ich einfach an meiner Höhenangst arbeiten kann.
Um doch noch einen Namen nennen zu können, habe ich mich gefragt, welcher Spot mich denn am meisten weiter bringt. Diese Antwort kommt ziemlich schnell – nämlich Fontainebleau.
Das Trainieren, abgelöst von klaren Konturen der sonst meist städtischen Trainingsumgebung, hat mich bis jetzt immer einen grossen Schritt vorwärts gebracht. Oft kommt es vor, dass mir nach dem Trainieren in Fontainebleau, zu Hause Dinge gelingen, an welchen ich zuvor lange geknorzt habe.
Ich erkläre mir dies anhand verschiedener Gründe. Ich kann jede Technik trainieren, kein Spot ist jedoch perfekt. Meine Augen müssen genauer wahrnehmen, meine Hände und Füsse müssen sich auf alles gefasst machen und mein Instinkt, das Richtige im richtigen Moment zu tun, wird aktiv. Jede Erfahrung gibt mir mehr Vertrauen in meinen Körper und meinen Geist und lernt mir, mich besser einzuschätzen – für mich ist es also mehr entscheidend, was ich wie trainiere also wo genau.“

Léa Brand, Bern ParkourONE Schweiz
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ENGLISH

Which is your favorite spot and why?

„A favorite spot – I believe I don’t have one. Where I like to train really depends on my actual mood. Some days I appreciate diversified spots, where it is obvious which technique I can train on a certain place. Other days in turn, a simple rail or a high wall where I can work on my fear of heights is plenty.

To name a place anyway, I asked myself which spot brings me farthest. This I figured out real quick – Fontainebleau.

So far, to train, detached from clear outlines of the urban Training environment brought me a big step ahead. Often it occurs, that after training in Fontainebleau, techniques work at home, with which I was having a hard time doing.

I think it has to do with a couple different reasons. I can train every technique, but no spot is perfect. My eyes have to perceive more precise, my hands and feet have to be aware and ready for anything and my instinct to do the right thing in the right moment is activated. Every experience is giving me more trust into my body and mind, and teaches me how to rate myself better – so to me its more important how I train, than where.“

Léa Brand, Bern ParkourONE Schweiz

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2

Was inspiriert dich bei Parkour?

„Eine der inspirierendsten Tätigkeiten im Training ist es, neues auszuprobieren und Bewegungsabläufe zu entwickeln. Das funktioniert für mich besonders gut auf zwei Arten: Zum einen wenn ich mit einem Freund trainiere, der sich auf dem gleichen Niveau befindet. Es entsteht dann oft ein kreatives hin und her, Techniken werden ausgetauscht, verändert, erschwert, neue hinzugenommen, der Spot gewechselt – für mich eine der schönsten Trainigssituationen!

Und zum anderen ist mir aufgefallen, dass ich oft neue Wege beschreite, wenn ich alleine trainiere. Es scheint mir meistens so, als habe man erst dann richtig Zeit Techniken auseinander zu nehmen und mit Kleinigkeiten wie die Art des Griffs zu verändern. Meistens sind das sehr intensive und kurze Einheiten, weil die Zeit zum reden ausbleibt und man sich mehr oder minder ohne Pause bewegt.“

Arvo Losinger, Bern ParkourONE Schweiz
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What inspires you in your Parkour training?

„One of the most inspiring activities in training is trying new things and developing different motion sequences. This works particularly well for me in two ways:
On the one hand, when I train with a friend who is on the same physical level as me. Often a creative flip-flopping develops; techniques are exchanged, changed, made difficult, new ones added, new spots found – these are some of the nicest training situations for me!

On the other hand, I realized that I often break new ground, when training by myself. It seems as if only then do you really have time to take the technique apart and change little things, like the grip. Usually these are very intense and short sequences, because you don’t loose time talking, and you are able to move with almost no stops.“

Arvo Losinger, Bern ParkourONE Schweiz

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3

Bei welcher Situation in deinem Alltag oder Berufsleben half dir das Parkourtraining?

Ich hatte mal einen Kunden, der unbedingt ein Logo haben wollte. Das Logo sollte weich und hart, dynamisch und statisch, verspielt und geradlinig zugleich sein. Es sollte innovativ und einzigartig sein, mit hohem Wiedererkennungswert. „Das können die nicht ernst meinen!“, dachte ich. Sie meinten es aber ernst.
An einem Tag lässt man frustriert den Stift fallen, an einem anderen Tag freut man sich über ein kleines Etappenziel. Es war ein echte Herausforderung und ein hartes Stück Arbeit einen Weg zu finden um all die Anforderungen zu erfüllen. Doch je schwieriger die Aufgabe ist, desto zufriedener schaut man am Ende auf das Gelernte zurück. Das ist mein Parkour. Jeden Tag.

Mathias Fritzen, ParkourONE Ruhrgebiet

EF

ENGLISH

In which situation of your daily life/work life was Parkour helpful?

„I once had a customer, who wanted to have a logo designed. The logo was supposed to be „soft“ and „hard“, dynamic and static, playful and straight-lined all at the same time. It should turn out innovative and unique, with a high recognition value. „They can’t be serious!“ I thought to myself. But they were.
Some days you drop your pen out of frustration, other days you’re get really excited about a little
partial success. It was a real challenge and a tough job to find a way of conforming to all the demands. But the harder the task, the happier you look back at the lessons learned at the end of the day. This is my Parkour. Every day.“

Mathias Fritzen, ParkourONE Ruhrgebiet

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4

Wie passt du dein Training dem Winter an?

„Die Herausforderung von Training im Winter liegt oft in den erschwerten äusseren Bedingungen: Kälte, Nässe, Dunkelheit – und Motivationsflauten. Pragmatische Lösungen dazu sind unter anderem zeitliche Flexibilität, einfachere Bewegungen, Konditionstraining, geeignete Spots, angepasste Kleidung, Hallentraining und Alternativsportarten. Die Auswahl fällt dabei aufgrund der mittlerweile uralten Fragen: Was ist das Ziel? Wozu steckst du da so viel Zeit und Aufwand hinein?

Ich persönlich will stark sein. Nicht für einen konkreten Zweck, sondern vielmehr als Gedanke, dass ich noch nicht am Ziel bin, noch etwas vorhabe. Wie verändert sich also mein eigenes Training im Winter? Nicht gewaltig.“

Valentin Mayer, Winterthur ParkourONE Schweiz

ENGLISH

How do you adapt your training to the winter?

„The challenge of training during wintertime is often due to harsh external conditions: It’s cold, wet and dark – motivation is lacking. Some pragmatic solutions among others are temporal flexibility, simpler movements, physical training, suitable training spots, appropriate clothing, indoor training and alternative sports. Here the choice is made according to the now ancient questions: What is your goal? Why put in so much time and effort?

I personally want to be strong. Not for a specific purpose but rather along the thought of not having achieved my goal yet and still wanting to do something. So how does my training change during winter? Not that much.“

Valentin Mayer, Winterthur ParkourONE Schweiz

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5

Was machst du um Verletzungen vorzubeugen?

„Wie wichtig Sicherheit im Training ist, wissen wir alle. Ich versuche mit diesen Zeilen, meine Erfahrung zu teilen, wie ich trainiere, um Verletzungen zu vermeiden.

Zu Beginn gehört für mich ein gutes Aufwärmen und Mobilisieren der Muskeln immer dazu, damit mein Körper bereit ist. Für den Geist folgt danach eine Fokus-Übung, wie zum Beispiel Balancieren. Während diesem Einstieg versuche ich zu spüren, wie es mir an diesem Tag physisch und psychisch geht, ob ich mich leicht ablenken lasse oder mich gut konzentrieren kann, ob ich müde bin usw. und nehme diese Einschätzung dann mit ins Training. Natürlich ist es auch wichtig, meine eigenen Fähigkeiten gut zu kennen. Dies funktioniert am besten mit regelmässigem, häufigem Training. Um die Selbsteinschätzung zu üben, helfen mir Konfrontationen mit Grenzsituationen, zum Beispiel ein Sprung, für den ich mich knapp bereit fühle.“

Lea Imola, Bern ParkourONE Schweiz

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ENGLISH

What do you do to avoid injuries?

„We all know how important safety is while training. Therefore, I will share my experience in how I train to avoid injuries.

First of all, a good warm-up and the mobilization of the muscles are a must-do, so that the body is ready. I follow this with a focus-exercise for the mind, such as balance. During this beginning part, I try to feel out how I am, both physically and mentally, as well as if I am easily distracted, able to concentrate or tired, etc. and I take this self-evaluation into my training. Confrontations with difficult situations, train the self-evaluation. For instance, when I come across a challenging jump.”

Lea Imola, Bern ParkourONE Schweiz

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6

Wann warst du zuletzt „être fort pour être utile“?

„Beim Spaziergang durch die Augsburger Innenstadt, bemerkten wir einen verzweifelten Mann, der in sämtlichen Läden eine Leiter verlangte. Aus einem der Restaurants sprach mich der Verkäufer an, „Hey Mike, du machst doch Parkour, vielleicht kannst du dem Mann da helfen.“
Ich dachte mir erst mal nichts, bis die Silje mich aufforderte den Herrn mal zu fragen, was los sei. Stellte sich heraus, dass er sich aus seiner Wohnung im ersten Stock ausgesperrt hatte, die Frau nicht erreichbar war und in der Wohnung ihr sechs Wochen altes Baby lag. Glücklicherweise war ein Fenster offen, also bot ich an die Fassade hoch zu klettern und aufzusperren. Beim genauen hin schauen, wie ich zum Fenster kommen könnte, war ich mir nicht sicher ob ich etwas voreilig war.

Aber wozu beten wir „être fort pour être utile“ in unseren Trainings ständig rauf und runter, nutzt es auch, wenn ihr euch der Aufgabe gewachsen fühlt.
Also die wacklige Regenrinne hoch und vorsichtig am Fenstersims entlang geschichen zum offenen Fenster ganz rechts außen. Bei diesen Altbauten hab ich immer bedenken.
Hat aber alles gut geklappt, der Mann war sichtlich erleichtert … ach ja und das Baby schlief tief und fest.
Es kann jederzeit eine ernsthafte Situation eintreten, trainiert auch dafür. Etre fort pour être utile – für sich oder für andere!“

Michael Thümmler, ParkourONE Augsburg

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ENGLISH

When you were at least „être fort pour être utile“?

„Strolling through Augsburg’s inner-city, we noticed a man seemingly desperate, asking for a lather in all the stores. Out of one of the restaurants, a guy said to me: „Hey Mike, you do Parkour don’t you, maybe you can help that guy.“
I didn’t pay any attention to it, until Silje demanded I ask the man, what was going on.
Turned out he had locked himself out of his apartment, his wife couldn’t be reached and they’re six week old baby was in the apartment. Luckily there was a window open, so I offered to climb up the front and open up for him. As I examined the route to the window more precisely, I wasn’t sure if maybe I had been a bit overhasty. However what do we constantly recite „être fort pour être utile“ for, make use of it if you think you’re up to the challenge.
So up the wobbly rain water downpipe and carefully sneak across the windowsill towards the open window. I’m always a bit mindful of these old buildings.
It all went well though, the man was noticeably at ease … oh and the baby was sound asleep.
A serious situation can occur at any time, train for these as well. Etre fort pour être utile – for yourself and for others!“

Michael Thümmler, ParkourONE Augsburg

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Welche Technik bereitet dir am meisten Mühe? Warum?

„Eine bestimmte schwerste Technik bei Parkour gibt es nicht. Anders als in anderen Sportarten haben wir nicht immer die gleichen Bewegungen und Bedingungen. So sagt ein Turner zum Beispiel für sich selbst sei der Felgaufschwung am schwierigsten, den er immer am Reck, in gleicher Höhe und unter gleichen Bedingungen ausführt. Ich selbst habe bei fast jedem Training einen anderen Sprung, der mir besonders viel Mühe bereitet.

Mal ist es ein Armsprung, dann wieder ein besonders weiter Präzisionssprung, oft auch Bewegungsverbindungen wie ein Katze-Präzi oder ähnliches. Eine bestimmte schwierige Technik aus allen herauszupicken ist schwer, weil eben jeder Spot anders ist. Auch kommt es mal vor, dass mir an einem Tag ein Hindernis sehr viel Mühe bereitet, beim nächsten Training jedoch leichter fällt und ich es auf Anhieb schaffe. Generell kann ich aber sagen, dass mir Präzisionssprünge auf Stangen am meisten Mühe bereiten. Es ist einfach schwer, präzise auf einer dünnen Stange zu landen und zusätzlich habe ich immer Angst abzurutschen. Diese Angst ist auch viel größer als bei Landungen auf einer Mauer, zum einen wegen meiner Angst abzurutschen, zum anderen weil ich unter einer Stange keine Fläche habe, um beim Abrutschen noch halt finden zu können. Abschließend kann ich nur sagen, es ist nicht schlimm, wenn bestimmte Techniken einem sehr viel Mühe bereiten, solange man sich das eingesteht und so gut wie möglich die Technik zu meistern versucht.“

Florian Bach, ParkourONE Augsburg
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ENGLISH

Which technique do you struggle with the most and why?

„In Parkour there isn’t one particular difficult technique. Compared to other sports we don’t always encounter the same movements under the same conditions. A gymnast might point out a specific gymnastic movement he or she always does on the same gymnastic apparatus, at a steady height and under reoccuring conditions as the one most difficult for him or her. Myself, I encounter a new obstacle that troubles me almost every time I train.

Today its an saut-des-bras, next time a big saut-de-précision or even a combined movement such as saut-de-chat to precision or similar. It’s difficult to pick one tricky technique, since every spot is different. Sometimes as well an obstacle may give me lots of trouble today, however next time I train there I manage to overcome it easily. In general though, one thing that troubles me are precision jumps onto rails. Its more complex to land exact on a thin rail, on top of that I have this fear of slipping off. This fear is bigger than by landings on a wall, due to my fear, but also because there’s no surface under the rail to recover oneself. In conclusion I believe it’s not fatal if a technique gives you lots of trouble, as long as you acknowledge it and try hard to master it.“

Florian Bach, ParkourONE Augsburg

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8

Hast du auf Reisen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Communities und ihrem Parkour- und Trainingsverständnis entdeckt?

„Traceure in Japan haben mehr als anderorts mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung ihrer Disziplin zu kämpfen. Dafür arbeiten sie zunächst in den eigenen Reihen.

In Japan hat die Meinung der Öffentlichkeit großen Einfluss auf das Verhalten des Einzelnen. Diese wird maßgeblich von traditionellen Medien wie dem Fernsehen gebildet. Negative Fernsehbeiträge über Parkour wären fatal für die weitere Entwicklung von Parkour im Land.

Für manche lokale Traceure und Teams mag die Aussicht auf ein Fernsehinterview verheißungsvoll klingen. Zu viel Eifer vor der Kamera, ein Sturz, und das Fernsehteam hat Material für einen Negativbeitrag. Vor einigen Wochen gab es Aufruhr in der Community über den Medienbeitrag eines jungen Mannes, der mit Parkour-Bewegungen bei einer prominenten Dame Hausfriedensbruch beging.

Um das Risiko solcher Negativbeiträge zu minimieren, wendet sich die Community in Japan den eigenen Reihen zu. Aktuelle Entwicklungen sind die Ambition, ein öffentliches Repräsentanzorgan für Parkour in Japan zu schaffen, und über Workshops Traceure über Risiken beim Training und „ethisch korrektes Training“ aufzuklären.

„In Japan herrscht eine sehr verantwortungsbewusste Herangehensweise ans Training und die öffentliche Meinungsbildung.“ Martin Herinrich

Das öffentliche Repräsentanzorgan soll Japan Parkour Association heißen und hat im Frühjahr 2014 mit einer Umfrage für Traceure in Japan weitreichende Bekanntheit in der Community erlangt. An der Umfrage nahmen über 300 Traceure teil, von denen knapp 70% Schüler oder Studenten sind. Ein wesentlicher Bestandteil der Umfrage waren Fragen zum Akzeptanzgrad von Parkour im persönlichen Umfeld und der Gesellschaft als Ganzes und zu Ansätzen, die Akzeptanz zu erhöhen. Drei Aussagen, die die Meinung vieler Umfrageteilnehmer zu umfassen scheinen sind:
1) Ein öffentliches Repräsentanzorgan wäre wünschenswert, um auf eine „offizielle“ Erklärung über Parkour hinweisen zu können und ggf. ein seriöses Image bei Medienbeiträgen zu stärken.
2) Für viele scheint es unmöglich, gesellschaftliches Verständnis für Parkour zu erlangen, solange das Training an nicht eigens für Parkourtraining errichteten Orten stattfindet. Parkourparks werden so als wichtiger Bestandteil für mehr gesellschaftliche Akzeptanz gesehen.
3) Es ist notwendig an der eigenen Moral und dem Selbstverständnis der Traceure zu arbeiten.

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Martin mit Parkour-Freunden Masa, Jun & Tabito (v. l. n. r.) am Neujahrstag bei aufgehender Sonne über Tokyo

Die dritte Aussage ist bereits aufgegriffen: Schon seit längerem gab es in Japan Workshops zu „sicherem Parkourtraining“. Und erst kürzlich habe ich von einem Workshop „Risikomanagement bei Parkour“ erfahren. Die Workshops sind von Traceuren für Traceure und scheinen einiger Beliebtheit zu erfahren, trotz einer Workshopgebühr von knapp 35€ pro Tag.

Es bleibt also spannend in Japan. Wird es die Community schaffen, ein starkes öffentliches Repräsentanzorgan aufzustellen? Wird Japan einen Boom in Parkourparks erleben? Werden die Workshopinhalte für risikominimierendes und moralisches Handeln von Traceuren in die breite Community durchdringen? In jedem Fall kann sich sicherlich manches Land, manche Community, manches Team, mancher Traceur etwas an der verantwortungsbewussten Herangehensweise zum Training und öffentlichen Meinungsbild der Traceure in Japan etwas abschauen.“

Martin Heinrich, Japan

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When traveling, did you notice any differences between other communities and their comprehension of parkour and the associated training? 

„In Japan, tracers have to deal with the public reception of their discipline extremely carefully. This begins first and foremost among themselves.

Here, the public opinion has a huge impact on the personal behavior. It is significantly shaped by traditional media like television. That’s why negative contributions on TV regarding parkour would be fatal for its future development in this country.

For some local tracers and parkour teams, the chance to star in an interview on TV might sound promising. However, little too much eagerness might lead to an unintentional tumble in front of the camera. Such material could then quickly lead to a negative portrayal. Similarly, there was an incident a few weeks back resulting a turmoil within the community. The source was young man who committed trespassing while doing parkour moves at female celebrity’s property.

„The tracers in Japan has a responsible approach regarding the training itself and the public media.“ Martin Heinrich

In order to minimize such negative reports, the Japanese parkour community turns towards its own ranks. Recent developments include ambitions to create a representative body for parkour in Japan (tbc “Japan Parkour Association”). Furthermore, public workshops are utilized to inform about risks and “how to train in an ethically correct way”.

In the beginning of 2014, the mentioned representative body has gained quite some awareness with a broadly conceived survey – over 300 tracers participated with roughly 70% students among them. As an essential part of the survey, questions were about the acceptance of parkour and how to increase it in the personal environment as well as in the society as a whole:

1) A representative body is desired. It should help to give “official” explanations about parkour and help to promote a respectable portrayal in the media.

2) It seems impossible to reach a public appreciation for parkour without dedicated places to train. Parkour parks are attributed important to reach social acceptance.

3) It is necessary to work on one’s own morality and the self-conception of traceurs.

The 3rd statement is already implemented: Since quite some time, workshops about “Training parkour safely” are offered. Recently, I even heard about one titled “Risk management in parkour”. Such workshops from tracers for tracers seem be vastly popular despite fees of almost 35€ per day.

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Martin in fron of Tokyo skyline – picture for arte-documentation „Fern-Ost“, photographer Ingo Aurich

Overall, it remains exciting in Japan. Will the community be able to establish a representative body? Will there be a parkour park boom in Japan? Will the messages about risk minimization and ethics spread through the workshops? In any case, many countries, communities, parkour teams and tracers could learn something from the tracers in Japan about the responsible approach regarding the training itself and the public media.“

Martin Heinrich, Japan

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Was verbinde ich mit ParkourONE?

„Es gibt eine Website, auf der man nachlesen kann, was ParkourONE macht – Public Meetings und Hellnights, geleitete Trainings und Firmenevents, und und und…
Es gibt eine Charta mit den Werten und Ansichten von ParkourONE – die Ausübung und Vermittlung von Parkour nach David Belle, und und und…
Es gibt ONE-Meetings, auf denen sich ONE-Member aus den verschiedenen Regionen treffen, auf denen Projekte erarbeitet werden, auf denen auch darüber diskutiert wird, was ParkourONE ist, und und und…

Das ist alles ParkourONE. Das ist alles? Nein! Ein von unbeugsamer Leidenschaft für ihre Sportart geprägter Haufen hört nicht auf, sich für ParkourONE und für die Community einzusetzen. Dieser Haufen ist es, den ich mit ParkourONE verbinde und ohne den diese Gemeinschaft nicht existieren würde und könnte. Es sind Menschen, die wie selbstverständlich kostenlos all die Public Meetings und Hellnights in ganz Deutschland und der Schweiz organisieren, einfach weil es ihnen ein Anliegen ist, der Community etwas zurückzugeben – getreu dem Motto „ONE for all and all for ONE“. Es sind aber auch diejenigen, die sich hinter den Kulissen mit der immer aufwändiger werdenden Verwaltung der immer größer werdenden Gemeinschaft befassen, und so den anderen den Rücken frei halten. Es sind alles in allem Menschen, die sich verantwortungsvoll darum sorgen und kümmern, was aus Parkour wird und nach einer nachhaltigen Entwicklung streben. Und nicht zuletzt sind es für mich persönlich auch einige Freunde.“

Simon Wessling, ParkourONE Hamburg

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ENGLISH

What do you associate with ParkourONE?

„There’s a website on which you can read about various ParkourONE activities – Public meetings, hell nights, supervised trainings, entertaining clients, and so forth..
There’s a charter detailing the values and views of ParkourONE – the exercise and communication of parkour as developed by David Belle, and so forth..
There’s a biannually ONE-meeting, where ParkourONE members from different regions get together. At the events, projects are created and worked out, discussions are held about topics like “What is ParkourONE?”, and so forth..

All that is ParkourONE? But is that everything? Of course not! In addition to the official parts, it’s a bunch whose sturdy passion for this discipline drives them to an unlimited commitment towards ParkourONE and the parkour community. That very bunch of people, is what I associate with ParkourONE and it’s fellowship. For them it’s only natural to give something back to the community by organizing public meetings and hell nights to attend free of charge – all along the lines of “ONE for all and all for ONE”. At the same time, it’s also these people who are working behind the curtains. Like dealing with the constantly growing administrative burden of the collective. All in all, they are people who care and take care responsibly about the present and future of parkour. And last but not least, they are a lot of friends to me personally.“

Simon Wessling, ParkourONE Hamburg

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Mit wem würdest du gerne mal trainieren gehen?

„Über die Frage, mit wem ich gerne mal trainieren möchte, muss ich länger nachdenken. Es gibt sicherlich viele Menschen, die einem die Augen für neue Dinge öffnen und durch ihre Art das eigene Training bereichern und weiter bringen. Das kann jeder sein, aber direkt sich klar entscheiden? Wenn ich genau darüber nachdenke, dann fällt mir doch genau eine Person ein, mit der ich gerne einmal trainieren würde: Blane.

Vor bald sechs Jahren war ich das erste Mal bei der Hell Night in Berlin. Seitdem weiß ich, was ich wirklich jeden Mittwoch zwischen 18:00 und 20:00 Uhr gemacht habe, abgesehen von dem ein oder anderen Urlaub oder Erkältungen. Jeden Mittwoch das Ziel seinen Grenzen etwas näher zu kommen. Jeden Mittwoch verstehen, was es heißt sich durchzubeißen, aber zu wissen, wann man besser aufhört. Jeden Mittwoch vor 18:00 Uhr sich fragen: „Wie fühle ich mich heute? Bin ich stärker geworden seit letzter Woche?“. Jeden Mittwoch nach 20:00 Uhr körperlich erschöpfter als noch vor zwei Stunden, aber mental wieder einen Schritt weiter oder ein Stück schlauer über mich selbst. Jeden Mittwoch gemeinsam in der Gruppe einen Sprung in Richtung „être fort“ gemacht.
Und jeden Mittwoch schleicht sich mehr und mehr die Frage ein: Wie war sie wohl, die Hell Night, die Blane damals ins Leben rief und die nun in so vielen unterschiedlichen Varianten in verschiedenen Städten fortgeführt wird? Ja, ich würde gerne einmal „damals“ dabei sein und mit Blane seine Auffassung von Hell Night erleben.“

Marie Fechner, ParkourONE Berlin

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Who would you like to train with?

„I have to think about this question a little bit longer: who would I like to train with.
Of course there are a lot of people who open your eyes to new stuff and enrich and add your own training. This could be anyone but to decide right away? If I think really hard about it, I actually know exactly who I would like to train with: Blane.

About six years ago it was my first time at Hell Night in Berlin. Since then I know what I’ll be doing every Wednesday between 6 p.m. and 8 p.m. except for when I am on vacation or have a cold. Every Wednesday the goal is to get closer to my limit. Every Wednesday: Understanding what it’s like to push through, but also knowing when to stop. Every Wednesday: Asking myself before 6 p.m.: “how do I feel today? Did I get stronger since last week?”. Every Wednesday: Being more physically exhausted than two hours ago, but one step further mentally, or a little smarter about myself. Every Wednesday: Stepping a bit closer to “être fort” as a group.
And every Wednesday there is a question creeping into my mind: How was it, the hellnight that Blane brought to life way back then and that is now being continued in so many cities in so many different ways? Yes, I’d love to be there “back then” and experience Blane’s concept of Hell Night with him.“

Marie Fechner, ParkourONE Berlin

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Wo im Ausland war der prägendste/interessanteste Ort wo du trainiert hast, warum?

Für mich war dies definitv Serbien. Wir – Roger, Simon, Felix, Ramon und ich – besuchten im November 2011 erstmals Serbien. Wir folgten der Einladung Bokis (Bogdan Cvetkovic ist der Kopf der Parkour-Srbija-Community) und seine Freunder nach Belgrad. Mein Wissen über Serbien war minimalst und zumeist mit Bildern aus den Balkankriegen verbunden. Über die dortige Parkour-Community wusste ich bis auf ein paar kleine Infos von Boki nichts.

Ich für meinen Teil reiste mit keiner Erwartung aber grosser Neugierde nach Belgrad – und was mich erwartete, übertraff alle Vorstellungen. Nach 2h Flug landeten wir in einem für uns fremden Land, dessen Sprache wir bis dato nicht verstanden und wurden aufgenommen wie in einer Familie! Die dortige Community war wahnsinnig herzlich, offen und neugierig, was für Traceure da aus dem Westen erstmals den Weg nach Serbien fanden.

Ich erfuhr mehr über Land und Leute und sah, welch interkulturellen Wert dort Parkour hat. Für uns hier ist Parkour ein Freizeitbeschäftigung, eine Leidenschaft und einige dürfen es sogar ihren Beruf nennen. Auf den Balkan aber, vermögen die Traceure durch Parkour den, durch die Balkankrieg geschürten Hass, Missgunst und Misstrauen zu überwinden. Traceure aus Slowenien, Kroatien, Mazedonien und Serbien trainieren heute zusammen, da sie dieselbe Leidenschaft teilen. Welchen Beitrag diese Traceure leisten, hat meinen grössten Respekt verdient!
Um zurück zu der Frage zu kommen – Serbien war und ist deshalb der prägendste Ort wo ich bisher trainiert haben, weil mich die Menschen dort so beeindruck haben.  Zu einzelnen besteht bis heute eine enge Freundschaft, wofür ich sehr dankbar bin – drugari, hvala vam puno!

Es sind somit nicht die physischen Dinge, die einen Ort spannend machen, sondern die Menschen, die dort leben.

Silvana Werren, Münsingen ParkourONE Schweiz

Our trip 2011 to Serbia

ENGLISH

Where abroad was the most formative / interesting place you did train? Why?

It was definitely Serbia for me. We – Roger, Simon, Felix, Ramon and myself – visited Serbia for the first time in November 2011. Back then, we had accepted the invitation from Boki (Bogdan Cvetkovic is the head of the Parkour Srbija community) and his friends to Belgrade. Yet, my knowledge of Serbia was quite minimal and typically associated with images of the Balkan wars. I knew almost nothing about the local parkour community except for a few small details Boki had shared.

For my part I traveled to Belgrade with no expectations but great curiosity – and what was waiting for me exceeded my imagination by far. After a 2 hours flight we landed in a country foreign to us whose language we did not understand so far and yet were received like family! The local community was incredibly warm, open and also curious about the kind of western traceurs who found their way to Serbia for the first time.
For us here parkour is a hobby, a passion and some may even call it their profession. In the Balkans however, the traceurs see Parkour as a mean to overcome hatred, resentment and mistrust fueled by the war. Today traceurs from Slovenia, Croatia, Macedonia and Serbia train together sharing the same passion. The contribution by these traceurs, has earned my utmost respect!

To come back to the original question – Serbia was and is the most formative place where I trained because the people there are so impressive. To some of them a close friendship remains today, which I am deeply grateful for! „drugari, hvala vam puno!“

It is not really the physical things that make a place interesting, but the people who live there.

Silvana Werren, Münsingen ParkourONE Schweiz

Out trip to Serbia 2013
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12

Welche Technik benutzt du zur Überwindung mentaler Hindernisse, wie z.B. Angst, mangelnde Motivation, Müdigkeit, Stress?

„Parkourtraining hilft auch im Alltag, wenn es darum geht Probleme zu lösen und Hindernisse zu überwinden“. Diesen Satz hört man ja öfter, wenn man sich Interviews anschaut oder durchliest – es stimmt auch, oder? Klar hilft es, aber auch das normale Training ist ja nicht immer Problemlöser Nummer eins. Man kommt auch öfter an den Punkt, wo man fühlt, dass man den Sprung schafft, wo die Lösung des Problems zum Greifen nahe ist, es aber einfach nicht „Klick“ macht im Kopf. Man wartet und der „Klick“ kommt nicht. Was nun?

Wir hatten dieses Jahr einen Austausch mit Teilnehmern unseres Berliner ParkourONE Trainings mit Teilnehmern aus dem Training von Parkour Paris organisiert und nach einem sehr erfolgreichen Besuch in Paris sind wir hier unter anderem ins Elbsandsteingebirge gefahren. 1 Franzose – Tom, Martin und ich stehen also dort vor einem Sprung. Wir hatten schon eine Weile trainiert und jetzt galt es also auf einen schrägen in ca. 2m Höhe rutschig nassen Ast zu springen – wunderbar. Ich war müde und wollte eigentlich schon langsam das Training beenden. Tom überlegt kurz und springt – man, dachte ich, irgendwie ist der Sprung schon super, ich muss es wohl doch probieren. Martin hatte auch 1-2 Anläufe gebraucht und sich getraut. Wer kennt das nicht. Gruppenzwang gibt es bei uns ja nicht wirklich, aber irgendwie ist da doch dieser kleine Motivationsheini der sagt: „komm jetzt bist du angespornt, probier es doch auuuuuuuch“.

Es gibt ja viele Wege sich „zu trauen“. Mir persönlich hilft es mich hoch zu puschen. Lange das Hindernis angucken und warten, dass es „klick“ macht ist nicht mein Ding. Ich versuche mir vorzustellen, wie ich den Sprung mache, evaluiere alle möglichen Gefahren und wie ich mich dann verhalten würde, wenn etwas passiert. Der Prozess dauert in der Regel nicht länger als 30 Sekunden, immerhin kann ich schon auf ein wenig Erfahrung zurück blicken. Für mich ist es weniger ein Gefühl, sondern eine logische Entscheidung ob sich es für mich lohnt den Sprung zu machen. Ob es mir was bringt.

So in der Art ist es bei mir mit allen Dingen, die sich mir in den Weg stellen und vom Training abhalten. Stress, Müdigkeit, Motivation, Angst und auch Verletzungen – Ich frage mich immer, was ich davon habe, wenn ich mich jetzt aufraffe und loslege. Und je nach dem wie ich mich entscheide, geht das Training weiter.“

Ben Scheffler, ParkourONE Berlin

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Ben Scheffler im Elbsandstein-Gebirge

ENGLISH

What techniques do you use to overcome mental obstacles such as anxiety, lack of motivation, fatigue or stress?

„Parkour training also helps in everyday life when it comes to solving problems, and overcoming obstacles“. Such sentences occur frequently when you watch interviews or read through them – so it is a known fact, agreed? Sure it helps but even during regular training sessions you can get stuck. Quite often, you come to a point where you know you can make the leap. The goal is within reach but in just doesn’t click and you’re mentally blocked. Then you wait. What do you do if the barrier remains?

This year, we organized an exchange between participants of our Berlin ParkourONE training and those from the trainings instructed by Parkour Paris. After a very rewarding visit to Paris, we and our guests went on a trip to the Elbe Sandstone Mountains. There, I remember Tom, one of the french guys, Martin and me looking at particular jump. We already trained for a while on that day and the next challenge was to jump on a slippery wet branch 2m above the ground – wonderful. I was tired and already wanted to slowly stop the training session. Suddenly, Tom jumps without wasting too many thoughts – man, I knew the jump is great, now I probably have to try it myself. And Martin also dared after approaching 1-2 times. Who wasn’t in such a situation? Although there’s no real peer pressure among us, sometimes there is a motivational fairy whispering in your ear: „C’mon, that was inspiring. You can do that tooooo“.

While there are different approaches to break the mental barrier, for me personally it helps to supercharge myself. Looking at the obstacle for a long time doesn’t work for me on the other hand. I try to imagine how I make the jump. I evaluate all possible dangers and how I could react if something goes wrong. Usually, that all happens in less than 30 seconds. My years of experience help of course. For me it’s less of a feeling, but more a logical decision if making the jump is worth it. Deciding if I’ll benefit from it.

In a way, that’s how it is for me regarding all kinds of things which I see as obstacles in the way. Especially those preventing me from training, like stress, fatigue, lack of motivation, anxiety, and even injuries – I always wonder what’s the benefit for me if I pull myself together and head on. Based on that I make the decision to continue training or not.“

Ben Scheffler, ParkourONE Berlin

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Hattest du schon irgendwelche Verletzung und was fuer einen Einfluss hatten/haben diese auf dein Training? Was hast du daraus gelernt?

Als ich mit dem Training angefangen habe, war meine Vorstellung von Parkour, dass es eine Disziplin ist in der Kraft im Vordergrund steht. Mein systematisches Training konzentrierte sich auf reine Kraft-/Ausdauerübungen sowie das Wiederholen von Bewegungsmustern. Ich habe Crossfit, Gewichtheben und Kampfsport gemacht, sowie jeden Tag mit dem eigenen Körpergewicht trainiert wenn ich keinen übermäessigen Muskelkater hatte. Ich ging immer an meine Grenzen gemäß dem Yamakasi Motto “Wenn du etwas nicht magst musst du es erst recht machen”.

2008 war mein Meniskus so überbelastet, dass ich für fast eineinhalb Jahre nicht trainieren konnte. Es war damals sehr beängstigend für mich: Werde ich überhaupt wieder trainieren können? Glücklicherweise konnte ich nach einer Operation und einem Jahr Physiotherapie wieder mit dem Parkourtraining anfangen. Allerdings hatten sich einige Dinge in meinem Kopf stark verändert. Dazu war mein Niveau stark gesunken und ich hatte Probleme, mir Ziele für mein Training zu setzen. Zuvor wusste ich genau, wo meine Grenzen bezüglich bestimmter Bewegungen und Kraftübungen waren. Nun war da ein Gefefühl der Leere und ich wollte nicht unbedingt daran arbeiten, mehr Liegestütze machen zu können. Dazu hatte ich Angst davor wieder zu hart zu trainieren. Deswegen habe ich beschlossen meine Herangehensweise und Ziele zu ändern und angefangen mit mehr “Gefuehl” zu trainieren.

Als erstes wurde ich viel verspielter: Kein rein systematisches Training mehr, ich wollte wieder Spaß an der Bewegung haben. Nach eine Weile hatte ich ganz vergessen wie es ist, wenn man sich immer zwingen muss und habe mich mehr auf flüssige Bewegungen und die Suche nach Mini-Herausforderungen konzentriert. Meine Ziele wurden wieder spezifischer und ich bin seither auch verletzungsfrei. Ich respektiere und fühle jetzt meine Grenzen viel besser. Jedoch habe ich immer noch genau ein Ziel: Jedes Training eine Herausforderung zu finden und diese zu meistern.

Tim Hirschler, ParkourONE Enschede

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ENGLISH

You were injured for a long time. What did you learn from it and how did it impact your training?

When I started training, my idea of parkour was one of discipline and strength. My strict training regime was based on strength/conditioning and conditioning through movement. I practiced crossfit, weightlifting, martial arts and did bodyweight on any day when I didn’t have muscle aches. I pushed myself hard, inspired by the Yamakasi motto ‚If you don’t like it, you must do it‘.

In 2008 I suffered from an overuse injury to my meniscus and couldn’t train for almost 1,5 years. It was scary to me: could I ever train again? Luckily, surgery and a year of physio exercises brought me back to life with parkour. But, things had really changed around in my head. My level was reduced badly and I had trouble to set goals in my training. Previously I knew exactly what my limit was with each move and each strength exercise. Now it seemed empty, I didn’t want to work to get ‚more pushups‘. I was also scared to push too hard. Because of that, I changed my approach and goals and started ‚feeling‘ more in my training.

First, I just started ‚playing‘: no more strict regimes, I wanted to enjoy movement again. After a while, I forgot having to push push push and focused on flow and searching for challenges. My goals became intrinsic again and ever since, I haven’t had another serious injury. I really feel and respect my limits now. I still only have one goal: each training, I find one challenge and overcome it!

Tim Hirschler, ParkourONE Enschede

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Wie beeinflusst Parkour deine alltäglichen Wege?

„Seit ich angefangen hab Parkour zu trainieren, wurde mir bewusster was Bewegung bedeutet. Nebst dem üblichen „da könnte ich das machen“ und „das wär doch auch ein netter Spot“, sind mir meine alltäglichen Wege zur Arbeit aufgefallen, die gespickt mit Treppen und Bordsteinen sind. Ich bin Treppen einfach anders hoch und runter gelaufen, als ich dies üblicherweise getan hab. Stufenkombinationen wurden zu unterschiedlich hohen Absätzen, die man möglichst effizient überwindet, in dem man jeden Tag andere Anzahlen von Stufen überwindet, ohne sich zeitlich lang damit beschäftigen zu können. Wenn die gewählte Kombination ineffizient war, hatte man erst in 24 Stunden die Chance es besser zu machen. Mir liegt mittlerweile viel daran, meine alltäglichen Wege nicht beiläufig zu beschreiten, sondern wirklich aktiv zu beeinflussen und Möglichkeiten der Bewältigung zu variieren. Zum Beispiel einfach auf die eigene Haltung beim Gehen achten, bewusst die Schultern nach hinten unten ziehen und die Brust etwas nach vorne drücken. Es sind Kleinigkeiten, mit denen ich mich beschäftige. Dennoch sind sie für mich nicht selbstverständlich und allgegenwärtig.

Dieses Bewusstsein ist durch Parkour in mir entstanden und beschäftigt mich seitdem auf meinen täglichen Wegen.“

Hermann Kipping, ParkourONE Berlin

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ENGLISH

How is Parkour influencing you in your daily path?

„Ever since I started training Parkour, I became more conscious about the meaning of movement. Beside the usual „I could do this, here“ and „that might be a nice spot“, I recognized my daily way to work, which was spiked with stairs and curbstones. I simply walk up and down staircases differently than I used to. Step combinations became variable high sections, which one tries to overcome as efficient as possible; in the way that one conquers a diverse amount of steps, without being able to occupy yourself for a longer time.
Whenever the chosen combination was picked inefficiently, you only had the opportunity to do it better, 24 hours later. Meanwhile it means a lot to me, to not just tread a path casually but to influence it really active and to vary the possibilities of accomplishment. For instance, to simply give attention to the own posture while walking, to consciously put your shoulders back and down and to push the chest out a bit. It’s little things I deal with. However they are not self-evident and omnipresent to me.

This consciousness has been created through Parkour and ever since, it sticks with me on my daily paths.“

Hermann Kipping, ParkourONE Berlin
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Was schätzt du an der Gemeinschaft der Parkour-Trainierenden?

Wenn ich gefragt werde, was für mich Parkour bedeutet, ist meine Antwort:
Parkour bedeutet für mich Hindernisse zu überwinden, einen effizienten Weg finden, an sich selbst arbeiten, weiter kommen und Freundschaften pflegen. Freundschaft, nenne ich zwar zuletzt, ist für mich aber ein sehr wichtiger Teil von Parkour.
Vor ungefähr 7 Jahren habe ich im geleiteten Training in Münsingen mit dem Parkour-Training angefangen. Über die Jahre haben sich viele Freundschaften gebildet. Heute sind die Teilnehmer für mich fast wie eine Familie, die sich über die Zeit immer erweitert hat. Es kamen Leute aus anderen Regionen und auch aus andern Ländern dazu. Egal wo man trainiert, man lernt immer neue, gute Leute kennen, weit über Landesgrenzen hinaus und trotz Sprachbarrieren. Manche sehe ich nur einmal im Jahr, aber es freut mich jedes mal sehr sie wider zu treffen.
Obwohl alle sehr unterschiedlich sind, haben die meisten sehr ähnliche Wertvorstellungen. Dadurch entsteht oft eine enge Verbundenheit. In der ParkourOne Community, wie auch bei andern Communitys, beispielsweise bei Parkour Paris, wird respektvoll und tolerant miteinander umgegangen. Man hilft den Andern und unterstüzt sie. Nach dem Motto: „einer für alle und alle für einen“.

Laurent Peyer, Bern ParkourONE Schweiz

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ENGLISH

What do you appreciate about the Parkour-Community?

Whenever I get asked what Parkour means to me, my response is:
Parkour to me, is to overcome obstacles, to find an efficient way, to work on yourself, to advance and to care for friendships. I name friendship at the end even though, for me it is a very important aspect of Parkour.
About 7 years ago I started with Parkour in the guided training in Münsingen. A lot of friendships were built over the years. Nowadays, the participants are like a family for me, that grew over the years. People from other regions and even other countries became a part of it. No matter where you train, you always get to meet new, good people far beyond country-lines and in spite of language barriers. Some I only see once a year, but I am always very excited to see them.
Even though all are pretty different, most of them have very similar values. Thereby a very close connection develops. In the ParkourONE community as well as in other communities, like in Parkour Paris, people interact respectful and tolerant with each other. You help and support one another with the motto: „ONE for all and all for ONE.“

Laurent Peyer, Bern ParkourONE Schweiz

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„Wie ist dein nächstes Umfeld in Parkour involviert?“

Als ich vor nun knapp 15 Jahren mit Parkour begonnen habe, hätte ich mir nie erträumen lassen, dass diese Bewegkunst einmal ein so wichter Bestanteil in meinem Leben ausmachen würde. Das Parkour zudem seit 2008, mit der Gründung der ParkourONE GmbH mein Beruf darstellt, lässt mich diese Frage nicht in zwei Sätzen beantworten.
Die Frage wie mein nächstes Umfeld in Parkour involviert ist, versuche ich in Gruppen aufteilen.

Familie:
– Meine Eltern bzw. mein Vater (da meine Mutter vor langer Zeit an Krebs verstorben ist und nur die Anfänge miterleben durfte)
Mein Vater forderte von mir bereits als Kind immer viel Kraft, Schnelligkeit und ein hohes Mass an Koordinationn. Und obwohl er sich eigentlich immer einen einen mutigen Jungen wünschte, der keine Angst vor Höhe oder sonstige Herausforderungen hat, war es ihm dann doch etwas mulmig, als ich mit Parkour begonnen habe. Heute ist mein Vater stolz, was ich mit Parkour alles erreicht habe und unterstützt mich in meinem Weg. Er fragt mich immer wieder, ob ich auch genügend trainiere, denn das sei das Wichtigste! Danke für Deine Erziehung Vater – ich wurde wohl auch deswegen zu dem was ich heute bin! :-)
Meine Geschwister haben wohl unterschiedelich Meinungen und das ist gut so!

– Beziehung (Partnerschaft)
Ich lebe nun seit über 16 Jahren mit meiner Frau zusammen. Seit mehr als 6 Jahren sind wir glücklich verheiratet und Parkour ist aus unserem Alltag nicht weg zu denken. Meine Frau hat meine ersten Parkourschritte miterlebt und mich immer in meinen Entscheidungen unterstützt. Sie hat mich aber konsequent nie bedauert, wenn ich mit Schürfwunden oder Prellungen zu Hause „jammern“ wollte, weil ich die Situation nicht richtig eingeschätzt habe. Oder wenn ich nach einer Hell Night mit offenen Händen und Muskelkater zu Hause Mitleid suche, da heisst es bis heute: „Selber schuld! Du weisst ja genau was du tust!“
Damit beschreibt sie, ohne es viieleicht zu wissen, meine Überzeugung im Training!

– Kinder (Ich als Vater von drei Kinder)
Ich gehöre seit 6 Jahren zu der ersten Traceur-Eltern-Gerneration. Meine Ansichten zu Parkour haben sich dadurch übrigens nicht verändert – lediglich meine Prioritäten! :-)
Kurz zusammengefasst: Meine Kinder sind von Parkour begeistert! Keine Mauer zu hoch, kein Wetter zu kalt! Bei ihnen ist Papi und Parkour so selbstverständlich wie das spielen im Garten. Sie kennen nichts anderes! Sie werden mit Pakrour bzw. Bewegung gross… ich bin gespannt wie sich das entwickelt.
Auf jedenfall sind sie sind die schönste und grösste Herausforderung in meinem Leben!

– Freundschaften wegen Parkour
Der grösste Teil meiner aktuellen Freunde sind Traceure. Das heisst, ich muss kaum beschreiben, wie involviert dieses Umfeld ist.
Wichtig ist mir hier zu erwähnen, dass es kein Zufall ist, das mein nächstes Umfeld aus Traceuren besteht. Denn schliesslich teilen wir die gleiche Leidenschaft, haben ähnliche Ansichten zum Leben und wissen was es bedeutet einander zu vertrauen. Am Anfang wurden Bekannte oder Freunde zu Trainingspartner, dann kamen neue Traceure dazu und nun zählen einige davon zu meinen besten Freunden.
Ich möchte drei davon namentlich nennen. Felix ist heute mein Geschäftspartner, Ramon ist der Pate meiner Tochter und Mike machte mich zum Paten seines Sohnes… Freundschaften wie diese sind für mich ein Segen, die ohne Parkour wohl nicht existieren würden! Danke!

– Freundeschaften unabhänging von Parkour
Zum Schluss habe ich noch wenige Freunde, welche nicht direkt in Parkour involviert sind. Es sind Freunde aus der Jugend- und Schulzeit, mit welchen eine tiefe Basis von Vertrauen und „Liebe“ besteht. Es sind die Freunde welche mich auf meinem Lebensweg unabhängig von Parkour unterstützt haben. Für sie ist Roger und Parkour ein Begriff, was sie kaum überrascht – sie lernten mich bereits während der Schulzeig als „eigensinnigen“ Typen kennen. Sei es mit Didgeridoo, Einrad oder BMX – auf jedenfalls war ich immer etwas Anderes und bestimmt kein Mitläufertyp!
In diesem Freundeskreis geniesse ich es, dass sich nicht alles um Parkour und ParkourONE dreht – denn es wirkt für einige nun vielleicht etwas komisch, aber manchmal geht mir „Parkour“ als Thema auch echt auf die Nerven ;)“

TRAIN HARD – TAKE CARE
Roger Widmer, Münsingen ParkourONE Schweiz
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ENGLISH

How is your social environment involved in Parkour?

“ When I started with parkour almost 15 years ago now, I never would have dreamed that this art of motion would eventually be such an integral part of my life. Further, parkour became my profession with the establishment of ParkourONE Limited in 2008. Therefore I cannot simply answer this question in two just sentences.
I will try to split my answer on how my next environment is involved in parkour into groups.

Family:
– My parents / my father (my mother died of cancer a long time ago and only experienced the beginnings)
My father always demanded a lot of power, speed and a high degree of coordination of me when I was as a child. And although he always wanted a brave boy who is not afraid of heights or other challenges, he felt a little queasy when I started parkour. Today, my father is proud of all the things I’ve achieved with parkour and supports me in every way. He keeps asking if I train enough since this is of utter importance! Thanks for your education dad – it probably made me what I am today! :-)
My siblings have somewhat different opinions and that’s good as well!

– Relationship (partnership)
I live together with my wife since over 16 years now. For over 6 years, we are happily married and parkour is an indispensable part of our daily lives. My wife has witnessed my first steps Parkour and always supported my decisions in that regard. She also never offered me any regrets, when I felt like „whining“ at home with abrasions or bruises after not assessing a situation correctly. Same if I was looking for pity with bloody hands and aching muscles at home after a Hell Night. She just says: „Blame yourself! You know so exactly what you’re doing! “
With that she perfectly describes, maybe without knowing, my belief in training!

– Children (I as a father of three)
Since 6 years, I belong to the very first tracer-parent generation. By the way, my views on parkour have not changed since – only my priorities! :-)
In short: My kids are as keen as mustard when it comes to parkour! No wall is too high, no weather too cold! For them, daddy and parkour is as natural as playing in the garden. They don’t know it differently! They are growing up with parkour and motion… I’m curious how that develops.
In any case, they are the most beautiful part of and also the biggest challenge in my life!

– Friendships because of parkour
Most of my current friends are traceurs. That means I hardly need describe how this part of my environment is involved. Is important for me to mention here that it is no coincidence that my next environment consists mainly of traceurs. After all, we share the same passion, have similar views on life and know what it means to trust each other. In the beginning acquaintances and friends became to training partners, new traceurs were added and now some of them are among my best friends.
I would like to mention three of them by name. Felix who is now my business partner, Ramon the godfather of my daughter and Mike who made me the godfather of his son…
Friendships like these are a blessing for me and would probably not exist without parkour! Thank you!

– Friendships independent of parkour
Finally, I have few friends who are not directly involved in parkour. They are friends from my youth and school time, with whom a profound relationship of trust and „love“ exists. They are the friends who have supported me in my life regardless of parkour. For them, Roger and parkour is a single term which is hardly surprising – they already got to know me during my schooldays as a „stubborn“ guy. Be it with a didgeridoo, a unicycle or a BMX – at any time, I was always somewhat different and certainly not the follower type! In this circle of friends, I really enjoy that it is not all about parkour and ParkourONE – for some it may seem a little weird but sometimes it’s quite a pain if „parkour“ is the center of every single topic. ;)“

TRAIN HARD – TAKE CARE
Roger Widmer, Münsingen ParkourONE Schweiz

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Was war das spannendste ParkourONE-Projekt in 2014 für dich und warum?

Mein spannendstes und auch herausfordernstes Projekt war der DFJW-OFAJ geförderte Austausch zwischen ParkourONE Berlin und Parkour Paris im Frühling und Sommer. Wir organisierten, unterstützt durch das Centre Français Berlin, einen jeweils einwöchigen Besuch von Paris und Berlin. Besonders der Parisbesuch sollte für die Trainingsteilnehmer aus Berlin ein Besuch der Geschichte von Parkour sein, sowie für die Pariser ein Kennenlernen von Parkourkultur außerhalb Frankreichs.
Das Erleben und Erfahren der Umgebung in Paris und insbesondere Lisses ermöglichte es den deutschen Teilnehmern sich tiefer mit der Parkourgeschichte auseinander zu setzen. Das gemeinsame Training mit Parkour Paris sollte beiden Seiten einen Austausch von Sprache, Kultur und Trainingsmentalität eröffnen, der nachhaltig in Freundschaften für die Zukunft weiter andauern solle und tut. Zwar ist Interkulturalität und deutsch-französisches Dolmetschen einer meiner Kernkompetenzen, doch die reale Umsetzung war nicht immer einfach. Letztlich haben alle gemeinsam, Teamer und Teilnehmer, eine unvergessliche Zeit erlebt, die uns Lust auf mehr deutsch-französische Parkourkultur macht.

Janosch Leugner, ParkourONE Berlin

 

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Impressionen dieses Austausches, Paris 2014
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ENGLISH

What was the most exciting ParkourONE project in 2014 for you and why?

My most exciting and challenging project was the DFJW OFAJ-sponsored exchange between ParkourONE Berlin and Paris Parkour during this years in spring and summer. We organized each time a one-week visit between Paris and Berlin supported by the Centre Français Berlin. Especially the Paris visit should offer the training participants from Berlin a deeper insight into the history of parkour. For the group from Paris, they should get to know more of the parkour culture outside of France. Witnessing and experiencing the surroundings in Paris and in particular Lisses allowed the German participants to be exposed deeper into the history of parkour. The joint training with Parkour Paris should offer both sides an exchange of language, culture and training mentality. We hoped it would develop in a long term friendships, which it did. Although interculturality and German-French interpreting are both part of my core competencies, the actual implementation was not always easy. However ultimately, we all, teamers and participants, have experienced an unforgettable time that makes us want more of an entwined German-French parkour culture.

Janosch Leugner, ParkourONE Berlin


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Warum hast du mit Parkour begonnen und warum machst du heute noch Parkour?

„Ich weiß noch genau, wann und wie ich mit Parkour angefangen habe. Es war der Samstag 03.06.2006 in Hamburg und ich war 17 Jahre alt. Angefangen habe ich eigentlich nur, weil mich ein Kumpel damals intensiv dazu überredet hat. Ich hatte zwar kurz vorher einen Artikel über Parkour in Hamburg in der Zeitung gelesen und kannte ein paar Youtube-Videos, die mich begeisterten. Trotzdem lag es mir damals sehr fern, mich mit wildfremden Leute mitten in der Innenstadt zu treffen und über Mauern zu springen. Ich war bis dahin nur strukturierten Vereinsfußball gewohnt und habe Turnen in der Schule gehasst. Inspiriert von der Aufgabe diesen Beitrag zu schreiben, bin ich auf meinem alten Tower-PC auf die Suche nach dem Chatverlauf von damals gegangen und bin fündig geworden. Da ich selbst sehr lachen musste und sich vielleicht der ein oder andere an eigene ähnliche Bedenken vor dem ersten Training erinnern kann, teile ich diesen hier in stark gekürzter Form:

Dienstag 30. Mai 2006
[17:31:09] Kumpel: du willst doch so saltos und so machen oder?
[17:32:12] Ich: joa
[17:33:25] Kumpel: was hälste von sowat ähnlichem, was auch ziemlich geil aussieht?
[17:33:40] Ich: was denn?
[17:33:43] Kumpel: http://www.parkour.de/
[17:33:50] Ich: kenn ich (…)
[17:34:50] Kumpel: ja ne… hab mich da ma im forum angemeldet, reingeschrieben und kurze zeit später hat mich schon der 1. Geaddet. haste vllt ma lust mit zu komm? ma testen?
[17:35:49] Ich: wie mit einem profi oder wie?
[17:36:01] Kumpel: ja ne mit soner gruppe, die sich einma pro woche treffen oda so aber samstag soll da einer aus köln sein und der solls ziemlich drauf haben. also ausnahme… sind halt erfahrene und anfänger da. und hab angst allein 😀
[17:37:27] Ich: wann ist das denn?
[17:37:32] Kumpel: samstag 13 uhr
[17:38:15] Ich: und wo?
[17:38:22] Kumpel: dammtor
[17:39:22] Ich: ja vorstellbar muss ich sehen ob ich da ein spiel hab (…)
[18:03:46] Kumpel: aber wie findest parkour denn? so vom ding?
[18:04:14] Ich: sehr geil nur frag ich mich ob ich sowas könnte weil ich kann nicht mal turnen^^, aufschwung oder so^^
[18:04:31] Kumpel: i au net 😀 naja aufschwung schon ^^ aber ejal… lernt man schon alles soweit…
[18:05:01] Ich: ich hab echt ne beschissene körperbeherrschung
[18:05:25] Kumpel: ja die wird ja trainiert loool (…)

Freitag, 2. Juni 2006
[21:34:21] Kumpel: moin pk, wenn gut wedda?
[21:34:49] Ich: hab schiss vor den profis^^
[21:34:57] Kumpel: des sind auch amateure. außerdem sind wa zu zweit… wohl zu dritt
[21:36:31] Ich: ich überlegs mir noch

web_adventgeschichte_benni

Benni bei seinem allerersten Training (5 v.r.) mit Paul Tietz

Samstag, 3. Juni 2006
[10:43:42] Kumpel: so… wolln wa denn da hin?
[10:43:57] Ich: du anscheinend ja ich weiß nicht
[10:44:19] Kumpel: aber ich will, dass du mit kommst. du hast doch bock auf pk… wenn es nur das ist, dass die alle besser sind, scheiß ma drauf. wir sind drei blutige anfänger…
[10:45:21] Ich: du hast ja schon geübt^^ ich gar nicht
[10:45:28] Kumpel: -.- oh mann ey… „geübt…“ bin zwei ma gesprungen rofl… und die leutz scheinen ja auch alle voll nett… (…)
[10:55:33] Ich: ich hab aber keine schuhe dafür^^ meine sportschuhe sind zu eng
[10:55:41] Kumpel: waaayyyyhaaayyyyne argh ist doch fuck egal… zieh straßenschuhe an
[10:56:01] Ich: die sind neu und sollten nicht schrott gehen^^
[10:56:07] Kumpel: argh man nu such dir ma keine schlechten ausreden. alda ey… du bist ja ma richtig pussy gerade (…)
[11:01:11] Kumpel: meinste die lachen dich aus oder was? die geben dir tips und so wenn dann. es geht doch net darum ob wir das können oder NOCH nicht können (…)
[11:09:34] Ich: die rennen uns eh davon
[11:09:47] Kumpel: DA TRAINIERT JEDER FÜR SICH. da läuft doch net jeder weg ey
[11:09:52] Ich: glaub ich nicht. die laufen ne strecke ab. der hat geschrieben: „man sollte nicht zu spät kommen weil sonst sind wir schon wieder woanders“
[11:10:51] Kumpel: ja, dann laufen sie uns weg… ist doch gut für dich, dann kannste ja „allein“ üben… und ich werde sicher net hinterher laufen, wenn die so durchziehn… (…)
[11:15:39] Ich: die haben doch besuch aus Köln die wollen den bestimmt zeigen was sie können^^
[11:15:48] Kumpel: solln se doch. deine argumente sind nicht schlagkräftig. des ist reine form von pussy sein (…)
[11:22:24] Kumpel: nu pack diine sachen und komm her…. maaannn bittteeee !!!
[ [11:23:20] Ich: wann müssten wir los?
[11:23:26] Kumpel: 12 (…)
[11:47:57] Kumpel: komm schon bitte =(
[11:49:19] Ich: jaja ich komm schon. ich werd mich zwar blamieren aber egal

So hatte ich (mit etwas Hilfe) durch Parkour also schon vor meinem ersten Training, eine wichtige eigene Grenze überwunden. Und wenn ich mir das aus heutiger Sicht durchlese, führt mir das sehr gut vor Augen, was mir Parkour unter anderem gebracht hat: Wesentlich mehr Offenheit neuen Dingen und Leuten gegenüber und eine große Ladung Selbstbewusstsein und Lockerheit sowieso. Das Training damals war für mich auf jeden Fall eine der am meisten motivierenden Situationen überhaupt. Wir waren in den folgenden Sommerferien nahezu täglich zu zweit draußen trainieren und wenn nicht, habe ich zu Hause Liegestütze und Kniebeugen gemacht. Die Fortschritte kamen schnell und die Sache nahm ihren Lauf.
Aktuell liegt meine Trainingshäufigkeit weit unter der damaligen, was verschiedene Gründe hat. Richtig regelmäßig mache ich zur Zeit alleine oder in der Gruppe (Hell Night in Kiel) parkourbezogenes Fitnesstraining, weil es einfach sehr komplexe Möglichkeiten bietet und man dabei auch sehr kreativ sein kann.“

Benjamin Böhme, ParkourONE Kiel

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ENGLISH

What were your reasons to begin practicing parkour and why are you still doing Parkour today?

„I still know exactly when and why I started training parkour. All began on Saturday, June 3rd 2006 in Hamburg and I was 17 years old back then.
Actually, the trigger was a quite intensive persuasion by a friend. Previously, I had read a short newspaper article about parkour in Hamburg and knew a few inspiring Youtube videos. Nevertheless, I was far from seeing myself meeting with strangers in the city center or jumping over walls. Up to that point, I was only used to very well structured club football and really disliked gym courses in school.

Motivated by the task to write this post, I went to turn on my dusted PC workstation in search of the chat history from then and found it. I laughed a lot reading it and some of you might remember similar concerns ahead of their training. So I thought it might be fitting to share some excerpts:

Tuesday, May 30th, 2006
[17:31:09] Pal: you’d love to do flips and stuff, right?
[17:32:12] Me: yeah
[17:33:25] Pal: what do you think of something similar, which also attracts looks like a magnet?
[17:33:40] Me: what exactly?
[17:33:43] Pal: http://www.parkour.de/
[17:33:50] Me: know it (…)
[17:34:50] Pal: well no… registered in that forum, posted and soon after I received the first add-request. wanna join? just to try?
[17:35:49] Me: how? with a pro?
[17:36:01] Pal: well, with a group of people. they meet once a week or so. but there’s supposed to be a badass guy from cologne. so next is somehow special… there’ll be some with experience and some beginners. and I’m afraid to go alone 😀
[17:37:27] Me: when is it?
[17:37:32] Pal: saturday 1am
[17:38:15] Me: where?
[17:38:22] Pal: dammtor
[17:39:22] Me: fine, but gotta check first if I start in game (…)
[18:03:46] Pal: but overall, what’s your impression of parkour?
[18:04:14] Me: really really cool! however, I’m not sure if can do any of that stuff. I can’t do any gymnastics^^ not even pullover on bars^^
[18:04:31] Pal: me neither 😀 well, a pullover yes ^^ but nvm… all to be learned…
[18:05:01] Me: my body control is really fucked up
[18:05:25] Pal: it shall improve with training loool (…)

web_adventgeschichte_benni

Benni at his very first training (5 f.r.) with Paul Tietz

Friday, June 2nd, 2006
[21:34:21] Pal: heya, pk if weather is fine?
[21:34:49] Me: afraid of the pros^^
[21:34:57] Pal: they’re amateurs too. also, we’re two.. probably three
[21:36:31] Me: gotta think about it

Saturday, June 3rd, 2006
[10:43:42] Pal: so… we wanna go to the meeting, right?
[10:43:57] Me: sounds like you do, I’m still uncertain
[10:44:19] Pal: but I want you to join. I know you fancy pk… and if your fear is only that everyone is better at it, fuck it. we’re all 3 bloody amateurs…
[10:45:21] Me: you trained already some^^ me not
[10:45:28] Pal: -.- oh common dude… „trained”… I jumped maybe two times rofl… and they guys seem to be super friendly… (…)
[10:55:33] Me: got no fitting shoes^^ my running shoes are too narrow
[10:55:41] Pal: waaayyyyhaaayyyyne argh fuck it… just wear sneakers
[10:56:01] Me: these a brand new and I don’t wanna ruin em already^^
[10:56:07] Pal: argh bro, don’t look for lame excuses. dude ey… you’re behaving like a real pussy atm (…)
[11:01:11] Pal: you’re afraid they’ll laugh at you? if they gonna give tips or so. it doesn’t matter if we’re good at it (YET) (…)
[11:09:34] Me: they’ll run ahead and leave us behind
[11:09:47] Pal: EVERYONE IS TRAINING ON ITS OWN THERE. nobody’s going to run ahead dude
[11:09:52] Me: don’t think so. they’ll run a route. they wrote: „don’t be late late. we might be somewhere further by then“
[11:10:51] Pal: fine, they’ll run ahead… good for you. then you can exercise on your “own”… and I’m surely not running behind if they sprint of… (…)
[11:15:39] Me: they probably wanna show off in front of the visitor from cologne^^
[11:15:48] Pal: let’em. still your arguments don’t count. pure pussiness on your side (…)
[11:22:24] Pal: get your shit together and join…. duuuddee pleaaaase !!!
[11:23:20] Me: when shall we leave?
[11:23:26] Pal: 12 (…)
[11:47:57] Pal: common, please =(
[11:49:19] Me: okok comin’. I’ll totally embarrass myself but whatever

As you can see, I overcame my first parkour obstacle (with some help) already before my first training. Reading it from today’s perspective clearly shows me what parkour helped me with most: I’m much more open to new things, have a higher self-confidence and am generally more easy going. Back then the training was definitely one of the things that motivated me most so far. During the upcoming summer vacation, we both went out to train almost daily. And if not I did pushups and squats at home. We advanced quickly and that’s how it all began for me.
These days, the intensity of my training is much lower due to various reasons. However, I still do regular fitness trainings adapted to the needs of parkour – either alone or with a group (hell night in Kiel, Germany). They reason for this focus is that it easily offers complex training possibilities combined with creativity.“

Benjamin Böhme, ParkourONE Kiel

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Welche prägenden Erfahrungen oder Erlebnisse von einer Parkourreise hast du in Erinnerung?

Seit 2007 fahr ich jeden Sommer für eine Woche nach Fontainebleau. Fontainebleau ist ein großes Waldgebiet in der Nähe von Paris, das perfekt für ein abwechslungsreiches Training ist.
Die Erinnerungen an Bleau sind geprägt von heißen Tagen, intensivem Training, dem Wiedersehen von langjährigen Freunden und kennen lernen der Freunde, die sie mitbringen.
2010 war das erste Jahr in Bleau mit einer wirklich großen Gruppe. Ich bin damals mit 10 guten Freunden für 2 Wochen angereist.
Am Ende der ersten Woche waren 3 Tage Sturm und Regen angesagt und die meisten sind schon einen Tag früher abgereist als geplant. Wir hatten aber noch eine Woche Urlaub in Fontainebleau geplant und der Tag begann sonnig und warm wie jeder Tag in Fontainebleau. Nachts fing es dann an zu schütten und am nächsten Morgen waren die ersten Zelte bereits feucht – eindeutig ein Ruhetag.
Komplett durchnässt und frierend fassten wir einen Plan und sammelten Material. Den ganzen Mittag bauten wir aus einer Plane, Schnur und einer Bierbank – die wir auf dem Campingplatz gefunden hatten – einen wackeligen Unterschlupf vor Wind und Wetter. Naja, es war immer noch sehr kalt und nass, aber immerhin hatten wir nach einigen Stunden etwas gebaut worunter wir alle Platz fanden.
Jetzt nur noch ein Feuer. Nach ein paar Stunden waren wir bereit auf zu geben. Selbst mit einem brennenden Holz von einem unserer Nachbarn waren wir erfolglos. Durchgefroren und nass waren wir verzweifelt genug, um etwas absurdes auszuprobieren. Die Birkenrinde, die ich als Zunder gesammelt hatte, lag den ganzen Tag schon im Wasser, aber siehe da: Nur wenige Augenblicke mit dem Streichholz und die Rinde stand lichterloh in Flammen!! Die Überraschung werde ich mein Leben lang nicht vergessen.

Am Ende des Tages saßen wir alle zusammen in Mülltüten eingewickelt (in Ermangelung von Regenjacken) unter unserer wackeligen Bude und ließen uns den Rauch in die Augen blasen. Ich mit meinen Füßen in meinem Teller, in den ich immer wieder heißes Wasser vom Feuer kippte (meine Schuhe und Socken waren längst durchnässt und kalt), Philipp neben mir mit einer Schwimmbrille gegen den Rauch.
Die nächsten zwei Tage waren ähnlich kalt, aber wir wurden etwas kompromissbereiter und haben unter anderem ein Café und das Schwimmbad besucht, um uns auf zu wärmen.
Von all meinen Parkourreisen sind mir diese 3 Tage besonders gut in Erinnerung geblieben. Obwohl wir gar nicht trainiert haben, haben wir alle zusammen gearbeitet, um trotz schlechten Wetters das Beste raus zu holen und uns gemeinsam durch zahlreiche Tiefpunkte mit viel Moral gekämpft.

Samson Saathoff, ParkourONE Berlin

Das Video unserer Reise nach Fontainebleau 2014 – wir wünschen viel Spass!

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Since 2007 I went to Fontainebleau every summer for at least a week. Fontainebleau is a big forest close to Paris, which is perfect for diverse training. My memories of Bleau are dominated by hot days, intense training, meeting of old friends and getting to know the friends they bring along.

2010 was the first year in Bleau with a big group. I myself came with 10 good friends to stay for 2 weeks.

At the end of the first week, the forecast was 3 days of heavy rain and wind, so most decided to leave a day early. But we had planned for another week of vacation in Fontainebleau and the day turned out as sunny and warm as every day in Fontainebleau. In the night it started raining cats and dogs and in the morning the first tents were wet. Clearly a rest day.

Completely wet and chilled to the bone we made a plan and started to collect materials. We were busy until late in the day building a fragile shelter from the weather with a plastic-sheet, some strings and a bench we found on the camping-ground.

Finally, now fire! After a couple of hours trying to get the fire started we were ready to give up. Even with a burning piece of wood from our neighbours we were unsuccessful.

Cold and wet we were desperate enough to try something silly. We took the birchbark I collected a couple of days ago as tinder from the bowl where it soaked in water all day. Just a couple of seconds with a lighter and the bark was burning bright and warm. I will never forget the surprise in this moment.

At the end of the day all of us sat together, wrapped up in trash bags ( no rain jackets..). In our wonkey shelter the wind blew the smoke from the wet fire into our faces. I had my feet in a bowl adding hot water from the fire every now and then (my shoes and socks soaked and were cold). Philipp next to me was wearing his swimming-glasses to stop the smoke from hurting his eyes.

The next two days were as cold, but we were ready to compromise and spend some time in a coffee shop and at the swimming pool to warm up.

Of all my Parkour journeys I remember these three days particularly well. Even though we didn’t train at all, we all worked together to get the most out of the time despite the bad weather. Together we fought through many morale lows in these days.

Samson Saathoff, ParkourONE Berlin
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20

Was ist dein lustigstes Parkour-Erlebnis?

„Eines meiner lustigsten Parkourerlebnisse war ein Trainingstag mit den NRW-ParkourONE Jungs im Jahre 2006. Wir haben in Rees diesen Ausleger auf den Rhein gefunden. Wir überlegten wer es sich trauen würde und Deniz sagte, glaube ich: „Wenn ich eine Badehose anhätte, würde ich es machen“. Ich hatte an dem Morgen zufällig (ich hatte einfach keine Unterhosen mehr) eine Badehose angezogen und sagte ohne nachzudenken: „Ich hab‘ eine Badehose an“. Die Jungs haben sich bepisst vor Lachen und Naja, ich „musste“ dann über den Ableger, was man dann auch in dem Video sieht. Der Spruch hat mich Jahrelang immer wieder begleitet. Danke Jungs :D“

Philipp Raasch, ParkourONE Köln

ENGLISH

What is your funniest Parkour experience?

One of my funniest Parkour experiences was a training day with the NRW-ParkourONE guys in 2006. We found a beam in Rees on the Rhine.
We were thinking about who would have the balls to do this and I think Deniz said: “If I had bathing trunks on, I would do it.” Coincidentally I had bathing trunks on that morning (I simply had no underwear anymore) and said without thinking “I’m wearing bathing trunks.” The guys cracked up and well, in the end I “had” to cross the beam, which is what you see in the video. This saying has accompanied me for years. Thanks guys!

Philipp Raasch, ParkourONE Köln

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Gibt es einen Film oder ein Buch, welches dich in deinem Parkourtraining besonders beeinflusst hat?

„Ich begann Anfang 2005 mit meinem Parkourtraining, in einer Zeit ohne Communities, ohne Jams und ohne die Fülle an Informationen, welche ein interessierter Neuling heute mit ein wenig Eigeninitiative ergoogeln kann. Damals gab es zum Beispiel noch kein Youtube oder ähnliche Internetangebote und es kursierten nur sehr wenige Parkourvideos über Filesharing-Portale und einschlägige Foren.

Es war wahnsinnig aufregend für mich, neue Videos zu sehen, die Bewegungen zu analysieren und danach rauszugehen, um sie selber auszuprobieren. Dennoch gab es aus dieser Zeit eine große Reportage der Yamakasi / Majestic Force mit dem Namen „Génération Yamakasi – Vol au dessus de cités“ von Mark Daniels, welche für mich eine Art Spirit-Wegweiser wurde und welche ich beinahe Mantra-artig vor vielen Trainingstagen in Sequenzen schaute, um mich mental „einzugrooven“. Ich saugte die Bilder, die Philosophie der Yamaks und den genialen Soundtrack von DJ Mao auf wie kaum etwas vorher.

Rückblickend betrachte ich das als Ausdruck meines (unbewussten) Wunsches nach Zugehörigkeit, nach Anschluss an eine Bewegungskultur, die mir in vielen Facetten noch fremd war und die ich erst in den Jahren danach Schritt für Schritt für mich erschloss. Ich merkte an der Art wie Yann, Laurent, Châu und Williams darüber sprachen was sie tun und natürlich an der nie gesehenen Art ihrer Bewegungen, welches Potential und welche ungeahnten Möglichkeiten in ADD und Parkour lagen. Ich wollte das fühlen und das entdecken was sie mir zeigten: Freiheit, Hingabe und Sinn im Abenteuer der Bewegung. Dafür bin ich ihnen bis heute dankbar.“

Martin Gessinger, ParkourONE Berlin

magazin-titel

ENGLISH

Is there a movie or a book which is particularly influencing you in your Parkour training?

„I started with my Parkour training in 2005, where there was no communities, no jams and no abundance of information, which nowadays, an interested newbie with a bit of self-initiative can google. Back then for example, there was no Youtube or similar information from the internet and there was only few Parkour videos circulating in File-sharing portals or forums.

It was insanely exciting for me to see new videos, to analyze the movements and then to go out and try them myself. However there was a big report of the Yamakasi / Majestic Force with the name „Génération Yamakasi – Vol au dessus de cités“ by Mark Daniels in that time. This started to be like a spirit-signpost which I almost mantra-like watched before a lot of training days to get myself in the groove mentally. I was soaking in the pictures, the philosophy of the Yamakasi and the brilliant soundtrack of DJ Mao like nothing before.

Looking back, I view this as an expression of a (unconscious) wish for affiliation, for access to a movement culture, which was still foreign in many facets and which I only unlocked step by step throughout the years. In the way Yann, Laurent, Châu and Willams talked about what they do and certainly in the unseen way of their movements, I realized which potential and unforeseen possibilities lied in ADD and Parkour. I wanted to feel and discover what they showed me: freedom, dedication and sense in the adventure of the movement. For that I am still grateful to them today.“

Martin Gessinger, ParkourONE Berlin

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22

Alte Hasen und next generation. Ur-Traceure und Bewegungskünstler. Schließt sich das aus? Wie sind deine Erfahrungen?

Am Anfang…dacht ich zu Parkour: Okay, ich mach das nur mal so eben kurz.

Aber dass das nicht geht, hab ich relativ schnell gemerkt.
Es ist nicht nur ich geh mal raus und trainiere…für mich steckt da mehr hinter.
Leute, die ich nie kannte und dann kennengelernt habe aus verschiedenen Ländern… zähl ich ernsthaft zu meinen Freunden.
Aber auch Leute, mit denen man nicht einig war, was ist Freerunnning was ist Parkour (Was ist das, was wir machen?), zähle ich auch zu meinen Freunden.
Was mir zumindest hier in meiner Community auffällt ist, dass fast alle (sehr viele) sich verändert haben und gemeinsam trainieren können, ohne sich zu hassen!

Mittlerweile bin ich einer der Alten, die so vor sich hin trainieren. Was mir zu Anfang schwer zu schaffen machte, da ich mich noch mit den jungen Leuten verglich…was natürlich Schwachsinn ist. Mir ist klar, dass ich nie da hinkommen werde, wo die jungen Leute heute sind.

Aber was mir auffällt ist, dass mich viele der jungen Leute trotz meines Alters und meinen sagen wir mal nicht so krassen pk-skills echt respektieren und wertschätzen…das hat für mich echt gedauert, das mitzubekommen und damit klarzukommen.
Und mittlerweile find ich für mich immer öfter interessant, dass ich immer noch jemand sein kann, der auch den jungen Leuten helfen kann.

Was ich an PK/Freerunning sehr schätze, sind die verschiedenen Menschen, mit denen man es oft zu tun hat!

Für mich kann ich nur sagen, viele von denen zähl ich zu meinen Freunden…und das nicht nur online! Das macht die Sache für mich sehr wertvoll und speziell!

Ich kann zu dieser Frage hier leider nicht alles aufzählen…aber wenn ich das müsste, wäre es ein Buch voller toller Geschichten!

Oliver Lange, ParkourONE Berlin
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Old rabbits and next generation. Ur-Tracers and movement-artists. Does it cut itself out? How are your experiences?

In the beginning.. I thought about Parkour like: Okay, I’m only gonna do that for a little bit.

But, that it doesn’t work like that, I realized pretty quick.
It’s not only „I’m gonna go out and train..“, there is more behind it.
People from different countries I never knew before and then met.. I see them seriously as my friends.
But also people, with whom I wasn’t on the same page about what is Freerunning and what Parkour (What is, what we do?) I count to my friends.
What I realized, at least in the community is that almost all (a lot) changed and are able to train together, without hating each other!

Meanwhile I am one of the old ones, who trains along. At first that was pretty hard for me, cause I was still comparing myself with the youths.. which of course is nonsense. It’s plain to me, that I will never reach that point, where the young people are this day.

What catches my eye tough, is that a lot of the young ones, respect and appreciate me in spite of my age and my – let’s say – not to crazy Parkour-skills. It took me a while to realize that and to come to terms with it.
By now, I find it interesting more and more, that I can still be someone, who can help the young people.

What I appreciate at Parkour/Freerunning, are the different people you meet.

I can say, that i count a lot of them to my friends … and not only online! This makes the thing very valuable and special for me!

I cant tell you here every story i know…if i had to, it would be a book full of great stories!

Oliver Lange, ParkourONE Berlin

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23

Was bedeutet Parkour für Dein Leben?

„Parkour hatte im Laufe der Jahre unterschiedliche Bedeutungen für mein Leben.

Parkour war Vergleich, denn die anderen können das alles schon richtig gut.
Parkour war Fortschritt und Zunahme, mehr Muskelmasse, weitere Sprünge und immer mehr können.
Parkour war Eifer, irgendwann so gut zu sein, wie meine Vorbilder.
Parkour war Hingabe, an fast jedem Tag raus zugehen und andere Dinge im Leben unbeachtet zu lassen.
Parkour war Erkenntnis, dass für mich neben ihm auch noch andere Dinge im Leben wichtig für mich sind.
Parkour ist Auszeit, in der ich bewusst das Training genieße und nicht mit Problemen des Alltags konfrontiert bin.
Parkour ist Muße, die ich in kaum einer anderen Tätigkeit in solch ausgeprägter Form erreiche.

Was bedeutet Parkour für Dein Leben?“

Max Schulte, ParkourONE Köln

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ENGLISH

What meaning does Parkour have in your life?

„Parkour had a a couple different meanings for my life over the years.

Parkour was Comparison, cause the others are already really good in it.
Parkour was progress and growth, more muscles, farther jumps and being able to do more and more.
Parkour was eagerness, to be as good some day, as your idols.
Parkour was dedication, to go out almost every day and leave other things unvalued.
Parkour was realization, that besides it, there is other important things as well, in my life.
Parkour is timeout, in which I consciously appreciate the training and where I am not confronted with problems of my daily life.
Parkour is leisure, which I hardly get in another activity in such a distinct way.

What meaning has Parkour in your life?“

Max Schulte, ParkourONE Köln

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24

Wie ist dein Feedback zum diesjährigen Adventskalender?

Den 24 Geschichten gingen einige Tage der Vorbereitung voraus. Viele Absprachen wurden überregional getroffen. Das Adventskalender-Team hat fleißig Mails geschrieben, telefoniert, Bilder gesucht, Designs gestaltet, übersetzt und auf der Webseite hinter den Kulissen gewerkelt.
Resultat war der diesjährige Adventskalender, der jeden Tag eine neue Geschichte für die Community bereit hielt. Jeden Tag eine ganz persönliche Geschichte von einem ONE aus allen ONE-Regionen in der Schweiz, Deutschland und den Niederlanden…und sogar aus Japan gab es etwas zu lesen. Als die Geschichten bei uns eintrudelten mussten wir schmunzeln, waren berührt oder ganz gespannt und schon bevor sich das erste Türchen öffnete, brachten die Geschichten uns unter einander wieder ein Stück näher.

Mit jeder Geschichte habt ihr fleißig eure Geschichten mit uns geteilt. Viele von euch haben sogar mehrere Geschichten geschrieben, folgten dem Kalender fast täglich und brachten Leben in die Türchen. Danke dafür!

Gespannt blicken wir in diesem Jahr noch auf euer Feedback zum diesjährigen Adventskalender und wir freuen uns auf viele neue Geschichten in 2015.

ParkourONE wünscht euch ein Frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

 

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The ParkourONE Advent Calendar 2014. 24 Stories. What is your Feedback to this year’s Advent Calendar?

The 24 stories had quite some background work of preparation. A lot of arrangements were made nationwide. The Advent-Calendar-Team was diligently writing mails, making phone calls, looking for pictures, creating Designs, translating and working on the website behind the scenes.
The result was this year’s Advent Calendar, that provided daily a new story for the community. A personal story from a ONE, out of all ONE-regions in Switzerland, Germany and the Netherlands… and we even got a story to read from Japan. When the stories arrived we smirked, were touched or curious and even before the first wicket opened, the stories brought us all again a bit closer.

With every wicket, you eagerly shared your stories with us. A lot of you even wrote multiple stories, followed the calendar almost daily and brought life into it. Thank you all for that!

We can’t wait for your feedback to this year’s Advent Calendar and look forward to lots of new stories in 2015.

ParkourONE wishes you all a Merry Christmas and a Happy New Year!

 

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