„Burner Parkour“ – Interview mit dem Autor, Roger Widmer

Als Traceur seit dem Jahr 2000 gilt Roger als einer der ersten Parkour-Pioniere ausserhalb Frankreichs. Seit seinem Studium in „Art Education – dep. Kulturanalysen und Vermittlung“ (2004-2008) und seiner Ausbildung zum Erwachsenenbildner SVEB 2, setzt er sich unermüdlich für das ganzheitliche Verständnis von Parkour ein. Im Jahr 2008 machte er sein Hobby zum Beruf und gründete mit Felix Stöckli die ParkourONE GmbH.  Als Leiter der ParkourONE Academy – der weltweit ersten Institution, welche Parkour mit einem ganzheitlichen Anspruch erforscht – hat er mit TRuST die gesammelten Erfahrungen vereint.

Roger, an wen richtet sich das Buch? Wer ist die Zielgruppe?

Roger: „Das Buch richtet sich an Lehrpersonen und Menschen die mit Bewegung arbeiten und einen kreativen Zugang zu Bewegung suchen und fördern wollen. Da die Übungen inklusionsorientert sind, richet sich das Buch an alle, unabhängig des Geschlechtes oder der sportlichern Begabung. Prinzipiell können die Übungen mit jeder Altersgruppe durchgeführt werden. Je nach Altersstufe oder Zielgruppe braucht es eine genauere Anleitung durch die Lehrperson oder den Coach. Optimal sprechen die Übungen Jugendlichen im Alter von 12-16 Jahren an.“

Braucht es als Lehrperson oder als Trainer_in irgendwelche Vorkenntnisse, um mit dem Buch arbeiten zu können?

Roger: „Nein, es braucht keine Parkourkenntnisse oder sonstiges Vorwissen. Man kann das Buch aufschlagen und gleich loslegen. Man wird simpel und klar strukturiert durch die vier Phasen nach TRuST geführt. Durch das modulare Konzept des Buches können ganze Lektionen mit den Übungen gefüllt oder auch nur einzelne Übungen beispielsweise als bewegter Unterricht genutzt werden. Die Stundenplanung wird durch die Zeitangaben im Buch erleichtert. Die Übungen sind nicht „überdidaktisiert“, sie sind praxisnahe und authentisch, sodass der Zugang für die Trainierenden wie auch für die Lehrpersonen erleichtert wird.“

Du erwähnst die vier Phasen nach TRuST – kannst du uns etwas mehr über den Inhalt und den Aufbau des Buches verraten?

Roger: „TRuST beschreibt wie wir in der ParkourONE Academy Parkour verstehen und vermitteln. Im Lehrkonzept nach TRuST gliedert sich eine Unterrichtseinheit in folgende vier Phasen: Einführende Phase, einleitende Phase, Hauptphase und abschliessende Phase. Nach diese vier Phasen ist auch das Buch aufgebaut, wo passend zu jeder Phase verschiedene Übungen zu finden sind. Dieser Aufbau ist ähnlich den gängigen allgemeindidaktischen Modellen wie beispielsweise dem AVIVA-Modell zur Förderung des kompetenzorientierten Unterrichts. Die Übungen des Buches lassen sich somit sehr gut in die üblichen Unterrichtsstrukturen einbauen. Die Übungen sind klar und übersichtlich, es hat jeweils einen einleitenden Text, wozu die Übung gebraucht wird und wie diese variiert werden kann. Das Buch bietet einen unkonventionellen, praxisnahen und lösungsorientierten Zugang zu Parkour für Schule und Unterricht. Parkour ist in diesem Lehrmittel „Burner Parkour“ nicht aus der gängigen Trendsportperspektive aufgegriffen worden, sondern knüpft an die Bewegung als Grundbedürfnis des Menschen an: Aus der Bewegung heraus entsteht eine Idee, ein Spiel, eine Zielsetzung. Durch die Bewegung entstehen Werte, wie man in einer sozialen Gruppe miteinander umgeht. Das ist Parkour in seiner Reinform.“

Worin siehst du den Mehrwert des Buches für den Unterricht, die Schule und das Training?

Roger: „Der Mehrwert des Buches liegt sicherlich darin, dass es einerseits interdisziplinär eingesetzt werden kann und andererseits kompetenzfördernd ist. Die Übungen sollen Freude an der Bewegung losgelöst von der sportlichen Leistung vermitteln. Die Übungen verfolgen einen erlebnispädagogischen Ansatz und gehen über die reine körperliche Betätigung hinaus, da nebst der physischen Aktivität auch die mentale Ebene, die Kreativität und die persönliche Reife angesprochen werden. Lehrpersonen und Trainer_innen können durch die Übungen den Zusammenhalt in der Gruppe, die Selbständigkeit der Individuen, die Kreativität und das lösungsorientierte Denken fördern. Dadurch, dass die Übungen keinen kompetitiven Ansatz haben, können alle teilnehmen, unabhängig von der sportlichen Verfassung oder dem Geschlecht. Die Übungen können für bewegtes Lernen, in Pausen, Unterrichtsstunden oder Projektwochen eingesetzt werden.“

Gibt es für Lehrpersonen und Trainer_innen die Möglichkeit, im Rahmen eines Kurses das Lehrmittel auszuprobieren?

Roger: „Ja, das ist möglich. Bisher sind drei Kurse in Basel, Bern und Zürich geplant, wo Interessierte die einfachen, attraktiven Spiel- und Übungsformen für eine effiziente Fortbewegung im urbanen Kontext kennen lernen können.“

Abschliessend: Was sind deine Ambitionen, Hoffnungen und Ziele mit diesem Buch?

Roger: „Ein grosses Anliegen ist mir, durch das Buch die Freude an der Bewegung losgelöst vom Leistungsgedanken zu fördern! Das Buch bietet einen unkonventionellen Zugang zu Parkour, da es nicht auf den gängigen, durch die Medien geprägten Erwartungen aufbaut. Ich sehe das Buch und die darin enthaltenen Übungen als Chance, das soziale Miteinander über den Wettkampf zu stellen. Ich hoffe, dass durch das Buch ein Raum geschaffen wird, wo sich Jugendliche, Teilnehmer und Trainierende nach ihrem persönlichen Potential entfalten können, da die Übungen einen alternativen Zugang zu Bewegung ohne Druck und Bewertung bieten. Durch die Übungen kann die Kreativität gefördert und junge Leute dabei unterstützt werden, ihren Weg zu gehen. Betrachtet man das grosse Ganze, dann hoffe ich, dass durch diese und weitere Arbeiten Parkour als Werkzeug zur Persönlichkeitsentwicklung wahrgenommen wird. Parkour ist für uns eine Lebensschule, welche wir mit allen Interessierten teilen wollen.

Ich danke Burner Motion, dem Hoffman-Verlag und allen welche diese Publikation ermöglich haben!

ONE for all – all for ONE!

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